Sturm, Julius (1816-1896)

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Der Bauer und sein Kind

Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten:
„Ich hab' den Acker wohl bestellt
auf gute Aussaat streng gehalten,
nun sieh' mir eins das Unkraut an,
das hat der böse Feind getan!"

Da kommt sein Knabe hochbeglückt
mit bunten Blumen reich beladen,
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt: „Sieh' Vater, nur die Pracht,
die hat der liebe Gott gemacht!“

Frau Holle

Vorm Fenster Flockengewimmel
Im Ofen knisternder Brand!
Da reitet auf schneeweißem Schimmel
Frau Holle wieder durchs Land.
Sie reitet in wallendem Kleide,
Ihr Auge blitzt hell und klar,
Es funkelt ihr reiches Geschmeide,
Es flattert im Wind ihr Haar.

Dass keiner sein Glück versäume,
Ihr Schläfer im Garten erwacht!
Frau Holle segnet die Bäume
Zu neuer Blütenpracht.

Sie naht und ist verschwunden,
Ist gleich dem Glück auf der Flucht,
Und wen sie schlafend gefunden,
Der trägt nicht Blüte noch Frucht.

Gott grüße dich

Gott grüße dich! Kein andrer Gruß
Gleicht dem an Innigkeit.
Gott grüße dich! Kein andrer Gruß
Passt so zu aller Zeit.

Gott grüße dich! Wenn dieser Gruß
So recht vom Herzen geht,
Gilt bei dem lieben Gott der Gruß
So viel wie ein Gebet.