Platen, August von (1796-1835)

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Das Grab im Busento

 

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder.
Aus den Wassern schallt es Antwort, in den Wirbeln klingt es wider.

Und den Fluss hinauf, hinunter zieh´n die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzu früh und fern der Heimat mussten sie ihn hier begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schultern blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette.
Um die Strömung abzuleiten gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam mit der Rüstung auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Dass die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluss herbeigezogen.
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern "Schlaf in deinen Heldenehren!
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!"

Sangen´s, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere.
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

Die Tulpe

Andre mögen andre loben,
Mir behagt dein reich Gewand,
Durch sein eigen Lied erhoben
Pflückt dich eines Dichters Hand.

In des Regenbogens sieben
Farben wardst du eingeweiht,
Und wir sehen, was wir lieben,
An dir zu derselben Zeit.

Als mit ihrem Zauberstabe
Flora dich entstehen ließ,
Einte sie des Duftes Gabe
Deinem hellen, bunten Vlies.

Doch die Blumen all, die frohen,
Standen nun voll Kummers da,
Als die Erde deinen hohen
Doppelzauber werden sah.

"Göttin! o zerstör uns wieder,
Denn wer blickt uns nur noch an?"
Sprach's die Rose, sprach's der Flieder,
Sprach's der niedre Thymian.

Flora kam, um auszusaugen
Deinen Blättern ihren Duft:
"Du erfreust", sie sagt's, "die Augen,
Sie erfreun die trunkne Luft".

Lass tief in dir mich lesen

Lass tief in dir mich lesen,
Verhehl auch dies mir nicht,
Was für ein Zauberwesen
Aus deiner Stimme spricht!

So viele Worte dringen
Ans Ohr uns ohne Plan,
Und während sie verklingen,
Ist alles abgetan.

Doch drängt auch nur von ferne
Dein Ton zu mir sich her,
Behorch ich ihn so gerne,
Vergess ich ihn so schwer!

Ich bebe dann, entglimme
Von allzu rascher Glut:
Mein Herz und deine Stimme
Verstehn sich gar zu gut!