Müller, Adalbert (1802-1879)

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Der Fischer am Arbersee

Der Fischer klimmt wohl den Arber hinan;
Er klimmt wohl hinauf zum See,
Zum See, umgürtet mit Fels und Tann'
Und kühler als Nordlands Schnee.

Er birgt sich tückisch im Uferrohr
Und wirft die Schnur in die Well';
Bald reißt er ein zappelndes Fischlein empor;
"Ei grüß' dich, du blanker Gesell'!"

Das Fischlein, wo Wunder! tut auf den Mund
Und redet mit schlauem Sinn:
"Erbarmen"! es spielt sich so lustig im Grund;
Was bringt dir mein Sterben Gewinn?

 Du weißt, es schwimmen viel Fischlein hold
Tief unten - tief angle hinein;
Die prangen mit Schuppen von purem Gold;
Ihr Auge ist Edelgestein.

Die schlafen des Nachts in korall'nem Bett;
Von Perlen erbaut ist ihr Haus;
Wer solch ein Fischlein gefangen hätt',
Der lachte wohl Könige aus.

"Ha!" sprach der Fischer, "fort, ärmlicher Wicht,
Nur flugs in die Pfütze hinein;
Du sättigst den hungrigen Magen mir nicht;
Mich lüstet's nach Edelgestein."

Und neiget sich vor und neiget sich sehr,
Will langen bis tief in den Schlund;
Da wird ihm das gierige Herz zu schwer,
Er stürzt - und sinket zu Grund.

Drob freute das listige Fischlein sich fast,
Rief seine Gespielen all';
Die kamen von Nord und von Süd zu Gast -
Sie kamen zum Leichenmahl.