Lichtwer, Magnus Gottfried (1719-1783)

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Der Hänfling

Ein Hänfling, den der erste Flug
Aus seiner Eltern Neste trug,
Hub an, die Wälder zu beschauen,
Und kriegte Lust, sich anzubauen:  
Ein edler Trieb, denn eigener Herd
Ist, sagt das Sprichwort, Goldes wert.

Die stolze Glut der jungen Brust
Macht ihm zu einem Eichbaum Lust.  
Hier wohn ich, sprach er, wie ein König;  
Dergleichen Nester gibt es wenig.
Kaum stand das Nest, so wards verheert  
Und durch den Donnerstrahl verzehrt.

Es war ein Glück bei der Gefahr,  
Dass unser Hänfling auswärts war.
Er kam, nachdem es ausgewittert,  
Und fand die Eiche halb zersplittert.  
Da sah er mit Bestürzung ein,
Er könnte hier nicht sicher sein.

Mit umgekehrtem Eigensinn
Begab er sich zur Erde hin
Und baut in niedriges Gesträuche,
So scheu macht ihn der Fall der Eiche.  
Doch Staub und Würmer zwangen ihn  
Zum andernmal, davonzuziehen.

Da baut er sich das dritte Haus
Und las ein dunkles Büschchen aus,  
Wo er den Wolken nicht zu nahe,  
Doch nicht die Erde vor sich sahe,  
Ein Ort, der in der Ruhe liegt;
Da lebt er noch und lebt vergnügt.

Die Katzen und der Hausherr

Tier' und Menschen schliefen feste,
Selbst der Hausprophete schwieg,
Als ein Schwarm geschwänzter Gäste
Von den nächsten Dächern stieg.

In dem Vorsaal eines Reichen
Stimmten sie ihr Liedchen an,
So ein Lied, das Stein' erweichen,
Menschen rasend machen kann.

Hinz, des Murners Schwiegervater,
Schlug den Takt erbärmlich schön,
Und zween abgelebte Kater
Quälten sich, ihm beizustehn.

Endlich tanzten alle Katzen,
Poltern, lärmen, dass es kracht,
Zischen, heulen, sprudeln, kratzen,
Bis der Herr im Haus erwacht.

Dieser springt mit einem Prügel
In dem finstern Saal herum,
Schlägt um sich, zerstößt den Spiegel,
Wirft ein Dutzend Schalen um,

Stolpert über ein'ge Späne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr
Und zerbricht zwo Reihen Zähne
Blinder Eifer schadet nur.