Löwenstein, Rudolf (1819-1891)

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Hans und die Spatzen

"Ach Vater, sprich, wie fang ichs's an,
dass ich Spatzen fangen kann?
Die Spatzen!"

 

Der Vater spricht: "So streu, mein Hans,
hübsch Salz auf den Schwanz!
Den Spatzen!"

 

Drauf nimmt er eine Handvoll Salz
und lauert mit gestrecktem Hals
auf Spatzen.

 

Und als der erste sich gesetzt,
schleicht er heran: Dich krieg ich jetzt,
dich Spatzen.

 

Das Spätzlein aber flog husch, husch,
hinweg zum nächsten Lindenbusch.
Ach, Spatzen!

 

"Sie halten, Vater, ja nicht still,
wenn ich das Salz hinstreuen will,
die Spatzen!"

 

"So lass die Spatzen, Hans, in Ruh!
Sie sind halt klüger doch als du,
die Spatzen."

Oktober

Oktober schüttelt das Laub vom Baum
und gibt es den Winden zu eigen.
Die führen es fort im weiten Raum,
weit fort von den trauernden Zweigen.
 
Die stehen jetzt da mit kahlem Haupt:
Wer hat uns beraubt, wer hat uns entlaubt?
Wo sind die Blätter, die lieben, geblieben?
 
Doch die, vom wirbelnden Winde getrieben,
haben längst vergessen, wo sie gesessen.