Herrmann-Neiße, Max (1886-1941)

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Neuer Frühling

Die Gartenzäune werden frisch gestrichen,
es riecht nach Farbe und nach Lenzbeginn,
und was der Wind bewahrt vom Winterlichen,
verliert allmählich Wichtigkeit und Sinn.
 
Die schönen Frauen wagen sich ins Freie,
zu leicht bekleidet schon und frieren sehr;
die schönste lotst mit heisrem Wollustschreie
ihr Hündchen durch den tödlichen Verkehr.
 
Die Omnibus-Chauffeure schmettern heiter
ein Lied, wie Sieger strahlend, hoch vom Bock.
Ein Roß geht närrisch durch mit seinem Reiter.
Buntscheckig sprüht der neue Häuserblock.
 
Sogar das Elendsviertel will sich  schmücken:
an trüben Fenstern grüßt ein junges Grün,
und meine Hoffnung baut sich Blumenbrücken
zur Sommerinsel, wo die Rosen blühn.