Greif, Martin (1839-1911)

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Die einsame Wolke

Sonne warf den letztem Schein
müd im Niedersinken;
eine Wolke noch allein
schien ihr nachzuwinken.

Lange sie wie sehnend hing,
ferne den Genossen,
als die Sonne unterging,
war auch sie zerflossen.

Mittagsstille

Am Waldsaum lieg ich im Stillen,
rings tiefe Mittagsruh,
nur Lerchen hör ich und Grillen
und summende Käfer dazu.

Die Falter flattern im Kreise,
kein Blatt rührt sich am Baum,
die Gräser beugen sich leise;
halb wach ich, halb lieg ich im Traum.

Sternennacht

Von frischer Kühle angezogen
Verlass ich spät die Tür,
Da wölbt der tieferblaute Bogen
Sich lockend über mir.

Der Mond aus leiser Nebelhülle
Streut sachten Glanz umher,
Der Höhen reine Ätherfülle
Durchglüht ein Sonnenheer.

Ein jeder Stern an seiner Stelle,
O welche hehre Pracht,
Der Himmel strahlt in Zauberhelle,
Und doch ist tiefe Nacht.

Vor der Ernte

Nun störet die Ähren im Felde
ein leiser Hauch.
Wenn eine sich beugt, so bebet
die andre auch.

Es ist als ahnten sie alle
der Sichel Schnitt -
die Blumen und fremden Halme
erzittern mit.