Goeckingk, Leopold Friedrich Günther von (1748-1828)

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Der Frühlingsmorgen

Dieser Tag ist gänzlich mein!
Und der Himmel ist so blau,
Und die Tröpfchen Morgenthau
Blinken so im Sonnenschein',
Und die Tauber laufen so
Hinter ihre Täubchen her,
Und die Spatze, närrisch froh,
Tanzen in die Kreuz und Quer,
Und die Hühner wälzen sich
In dem warmen Sand' herum,
Und die Hähne fliegen mich,
Blind vor Freuden, um und um;
Alle Schnäbel, grad' und krumm,
Wetzen sich zu Streit und Kuss,
Und der Truthahn, stolz und dumm,
Steht da, ärgert, brüstet sich,
Wie ein junger Kritikus,
Und der Pfau, mit seinem Schweif',
Tritt einher so keck und steif,
Wie die hochgebornen Herrn
Mit erkrochnem Ordensstern'.
Alles ziehet in die Brust
Neues Leben, neue Lust,
Mit der Frühlingsluft hinein!

Herbstlied

Hu hu! Wie kommt der Wind so kalt
Schon über die Stoppel gelaufen!
Wie färbet sich so gelb der Wald,
Und wie versammeln sich so bald
Die Schwalben zum Abzug in Haufen!

 Die Wiese dampft, der Brocken braut
Und schüttelt, Schauer auf Schauer
Den Regen ab; durch Nebel schaut
Die Sonn herab, wie eine Braut
Gehüllet in düstere Trauer.