Flaischlen, Cäsar (1864-1920)

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Februar

Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel
und schmilzt die Schneelast von den Dächern
und taut das Eis auf an den Fenstern
und lacht ins Zimmer: wie geht's? wie steht's?

Und wenn es auch noch lang nicht Frühling,
so laut es überall tropft und rinnt ...
du sinnst hinaus über deine Dächer ...
du sagst, es sei ein schreckliches Wetter,
man werde ganz krank! und bist im stillen
glückselig drüber wie ein Kind.

Lass drohn, was will!

Sieh doch den Wettersturm am Himmel!
sieh doch die Wolken um die Höhn!
Ich aber sag: das geht vorüber
und auf den Abend wird es schön!

Gebt mich nur frei und lasst mich's wagen,
ein bisschen auch mir selbst zu traun!
Was frommt es denn, altjungfer-ängstlich
nach jedem Nebel auszuschaun!?

Nur frei sein muss ich! frei und ... ehe
der Zorn zum Sieg in mir erlahmt
und was ich Großes möchte, elend
in Alltagströdel sich verkramt!

Noch trägt zu stolzbekränzten Zielen
ein jauchzend Hoffen mich empor ...
und bis zu Ende sei gehalten,
was meiner Jugend ich beschwor!

Und grollten rings auch tausend Wetter
und droht es noch so von den Höhn ...
lass drohn, was will! es geht vorüber
und auf den Abend wird es schön!

Sonne, Wind und Welle

Im warmen Sande lieg ich
nackt ... und brenne in der Sonne ...
und wie mit sammetweichen Tüchern flaggt der
Wind mir über die gelösten Glieder.

Ich höre auf das Lied der Wellen nebenan und
langsam fallen mir die Augen zu und gold- und pur-
purfarbene Wolken sinken auf mich nieder ...
Ich bin nicht Mensch mehr ... will nicht Mensch
mehr sein ...
ich bin nur Sonne, Wind und Welle ...
ein flüchtiger Zusammenklang von Tönen ...
und wenn der Tag verrinnt am weißen Strande,
verklinge ich zu neuem Lied, wie Sonne, Wind und Welle,
leidlos, wunschlos in die blaue Nacht.

Sonnenkraft

Und immer wieder sinkt der Winter
und immer wieder wird es Frühling
und immer immer wieder stehst du
und freust dich an dem ersten Grün
und wenn die kleinen Veilchen blühn,
und immer wieder ist es schön
und macht es jung und macht es froh,
und ob du's tausendmal gesehn:
wenn hoch in lauen blauen Lüften
die ersten Schwalben lustig zwitschern ...
immer wieder ... jedes Jahr ...
sag, ist das nicht wunderbar?!

Diese stille Kraft der Seele:
immer neu sich aufzuringen
aus dem Banne trüber Winter,
aus dem Schatten grauer Nächte,
aus der Tiefe in die Höhe ...
sag, ist das nicht wunderbar?!
diese stille Kraft der Seele,
immer wieder
sich zur Sonne zu befrein,
immer wieder stolz zu werden,
immer wieder froh zu sein.