Calé, Walter (1881-1904)

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Abendsonne

Es weht dein ferner Atem mich sachte kühlend an.
Ganz tief lieg ich verwoben in dieser Stunde Bann.
Und alles unser Wissen zerrinnt in Abendglut,
von allen unsern Worten bleibt eins nur: sei mir gut!

Der Heimweg führte mich ...

Der Heimweg führte mich in dieser Nacht
Zum Parke, welcher voller Stille lag,
Und viele dürre Blätter raschelten.
Und zwischen zweien hohen dunkeln Stämmen
Erschien es mir und war mir wohlbekannt
Und weinte auch und nickt' und lockte sehr;
Doch als der Wind ein wenig lauter klagte,
Zerrann es...

Es rinnen rote Quellen ...

Es rinnen rote Quellen
Um mein gesegnet Haus;
Es tränkt ein schwarzer Reiter
Sein schwarzes Roß daraus.
Er lehnt schon hundert Jahre
Vor meinem runden Tor;
Die Zeit wird ihm nicht lange,
Ich komme nie hervor.
Es braucht nur dreier Schritte,
So kann ich bei ihm stehn,
So kann ich mit ihm reiten,
Wie meine Wünsche gehn.
Das ist so schön zu wissen!
Ich sag' es tausendmal:
„Es wartet einer draußen!“
Und bleibe doch im Saal.
Der Reiter schläft im Schatten,
Sein Panzerhemd blinkt gut;
Dem Rappen ist sehr schläfrig,
Mir ist sehr froh zumut!

Und abermals wirst du...

Und abermals wirst du geboren werden
Auf andern Sternen, deiner selbst nicht kundig,
Und wirst die Wege gehen allen Lebens,
In Schmerzen bald und manches Mal in Lächeln.
Doch steigt aus Dämmerungen einer Nacht
Gleichwie aus Schächten, die verschüttet sind,
Ein Bildnis auf, ein Schatten und ein Ruf,
So wisse du: Der Bruder ruft nach dir,
Der abermals dem Tode sich entrang
Gleich dir und abermals das Leben wandelt
Auf andern Sternen fern und trauervoll.