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Du und die anderen
Dachgeschichten
Klaus Roth (*1957)
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Meine Katze übt auf dem First Seiltanz. Ich sitze auf dem Kamin und zeige den Elstern, wohin sie fliegen sollen. In der Dachrinne morsen die jungen Spatzen geheime Nachrichten in alle Welt.
Mit frdl. Genehmigung des Verfassers
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Drohung
Max Kruse *1921
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Mann,
du kommst mir
gerade recht,
Mücke! Fliege!
Stiefelknecht!
Lumpensohn
und Knüllpapier,
Flohbaron
und Lausetier!
Dich zerreiß ich
in der Luft,
schnauf dich ein
wie Kuhstallduft ...
hast du heut nicht
dran gedacht
und die Murmeln
mitgebracht!
entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;
Rechte bei Max Kruse
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Es war ein kleiner Junge
Peter Hacks (1928-2003)
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Es war ein kleiner Junge, der war ein nettes Kind, der war mal brav, mal böse, so wie halt Jungen sind.
Der hatte blonde Haare, die waren nie gekämmt, und eine rote Hose und ein gestreiftes Hemd.
Und eine kleine Nase und einen großen Mund, und manchmal fuhr er Roller und hatte einen Hund.
Er war mal brav, mal böse, so wie halt Jungen sind. Und seine Mama sagte, auch wenn sie niemand fragte: Er ist ein nettes Kind.
mit freundlicher Genehmigung aus:Peter Hacks "Der Flohmarkt" Nachdruck/Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Rechteinhabers. © Eulenspiegel Verlag Berlin.
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Gerüchte
Max Kruse *1921
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Rasch,
ich sag dir was ins Ohr;
und das kommt
dir komisch vor.
Also hör' mal,
weißt du schon,
dass Herr Tante
und Frau Sohn
gestern Abend
früh um acht
nichts gemacht?
Vorher sind sie außerdem
nachher, währenddessen dem
niemals nirgendwo gewesen.
Kannst es lesen!
Denn die Zeitung
war dabei,
übermorgen um halb drei.
Auch Herr Tante
und Frau Sohn
wissen's noch nicht,
sondern schon!
entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;
Rechte bei Max Kruse
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Künstler
Max Kruse *1921
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Hier hast du
zwei Tiegel
und jeder
enthält
mit Tusche
und Tinte
ein Bild
dieser Welt
Die Welt
ist der Strich
und die Welt
ist das Wort
Die Welt
ist dein Ich
und das Licht
und der Ort
Die Welt
ist der Flügel
der Vogel
der Strauch
Die Welt
ist der Hügel
der Herbst
und der Rauch
Du brauchst
nur
den Pinsel
du brauchst
keine Kraft
es reicht
deine ruhige
Meisterschaft
entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;
Rechte bei Max Kruse
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Leicht und schwer
Manfred Mai *1949
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Es ist leicht,
andere zu beschimpfen –
Du Quatschkopf!
Du Rindvieh !
Du Sauertopf!
Du Depp!
Du Miesepeter!
Du Idiot!
Du Nasenbär!
Du Schwein!
Da findet man
ohne langes Überlegen
schnell die passenden Worte.
Es ist schwer,
anderen etwas Nettes zu sagen:
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Da findet man
Trotz langem Überlegen schwer die passenden Worte.
HINWEIS: Das Copyright liegt bei dem Verfasser. Der Text darf nur mit seinem Einverständnis verwendet werden.
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Lied vom feinen Mädchen
Friedrich Güll (1812-1879)
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Ich bin ein fein's Mädchen, kann drehen das Rädchen, kann stricken die Maschen und sticken die Taschen, kann nädeln und putzen und fädeln und stutzen, kann singen und springen und braten und kochen das Fleisch und die Knochen.
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Machen wir Frieden
Georg Bydlinski *1956
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Machen wir Frieden,
fort mit dem Streit!
Machen wir Frieden,
hier und heut.
Machen wir Frieden,
fort mit dem Krieg!
Frieden ist schöner
als ein Sieg.
Machen wir Frieden
in Norden und Süden,
Osten und Westen.
Das ist am besten!
aus: Georg Bydlinski, Wasserhahn und Wasserhenne
© 2002 Dachs Verlag GmbH, Wien
http://www.patmos.de/
http://www.patmos.de/author/2284/singleAuthor.htm
http://www.georg-bydlinski.at
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Meine Schwester
Manfred Mai *1949
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Meine Schwester ist fünfzehn
und wirklich sehr nett,
mit ihr kann ich reden,
am besten im Bett.
Sie erklärt mir fast alles, was ich wissen will, und will ich nichts wissen, ist sie einfach still.
Wenn es Streit gibt zu Hause, hilft sie meistens mir
und knallt voller Wut
ganz laut mit der Tür.
Meine Schwester ist fünfzehn
und richtig gemein,
will ich mit ihr reden,
schläft sie meistens ein.
Sie erklärt mir fast gar nichts und hab' ich 'ne Frage,
sagt sie manchmal bissig:
Du bist eine Plage!
Wenn es Streit gibt zu Hause, ist es meist wegen ihr,
doch ich werde geschimpft
und kann nichts dafür.
Meine Schwester ist fünfzehn
und mal so, dann mal so,
mal könnte ich sie...
und mal bin ich froh ...
HINWEIS: Das Copyright liegt bei dem Verfasser. Der Text darf nur mit seinem Einverständnis verwendet werden.
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Schulreime
Friedrich Güll (1812-1879)
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Hörst Du's schlagen halber acht? Gleich das Buch zurechtgemacht! Schau, schon rudelts, groß und klein, dick und dünn zur Schul hinein. Wills Du gar der Letzte sein?
Schnell die Mappe übern Kopf Und die Kappe auf den Schopf! Und nun spring und lern' recht viel. Wer sich tummelt kommt ans Ziel.
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Versteckens
Franz Bonn (1830–1904)
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Im Nachbarhof - o schöne Welt! Mit Brettern, Stangen, Dielen, Wie ist da alles vollgestellt, Recht zum Versteckens spielen.
Da ist ein Hügel, ein Mauerloch, Ein kleiner Stall für Schweine, Des Hundes Hütte und dazu noch Die lustigen, großen Steine.
Wie uns in stiller Seligkeit Die Stunden da entschwinden - Kein schönrer Fleck ist weit und breit Auf dieser Welt zu finden!
In allen Winkeln groß und klein Die einen sich verstecken, Die andern suchen aus und ein An allen End´ und Ecken.
Es folgen Hund und Vögelein Dem fröhlichen Gewimmel. O Kind, dir ist kein Raum zu klein, Und jeder Raum ein Himmel!
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Wann Freunde wichtig sind
Georg Bydlinski *1956
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Freunde sind wichtig zum Sandburgenbauen, Freunde sind wichtig wenn andre dich hauen, Freunde sind wichtig zum Schneckenhaussuchen, Freunde sind wichtig zum Essen von Kuchen.
Vormittags, abends, im Freien, im Zimmer ... Wann Freunde wichtig sind? Eigentlich immer!
aus: Georg Bydlinski, Wasserhahn und Wasserhenne
© 2002 Dachs Verlag GmbH, Wien
http://www.patmos.de/
http://www.patmos.de/author/2284/singleAuthor.htm
http://www.georg-bydlinski.at
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