Gedichte für Kinder: Tiere

Das Möwenlied

Morgenstern, Christian

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Sofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

Storch und Spatz

Enslin, Karl

Es hat der Storch sein Nest gebaut;
Und als er froh umher nun schaut,
Hoch über allen Häusern,
Da sitzt vor ihm en kleiner Spatz
Und bittet um ein wenig Platz
Zum Nestchen in den Reisern.

Da spricht der Storch : Mein Nest ist groß,
du bist ein kleines Vöglein bloß,
ich tu dir nichts zuleide,
du bist in gutem Schutz bei mir,
kein Mietgeld nehme ich von dir,
´s Platz da für uns beide.

Das Spätzlein dankt und baut sich an
Der Storch hat ihm kein Leid getan
Und hat ihn nicht verstoßen.
So wohnten beide lange Zeit
In Frieden und in Ewigkeit,
Der Kleine bei dem Großen.

Ein kleiner Hund mit Namen Fips

Morgenstern, Christian

Ein kleiner Hund mit Namen Fips
erhielt vom Onkel einen Schlips
aus gelb und roter Seide.  

Die Tante aber hat, o denkt,
 ihm noch ein Glöcklein drangehängt
zur Aug- und Ohrenweide.  

Hei, war der kleine Hund da stolz.
Das merkt sogar der Kaufmann Scholz
im Hause gegenüber.  

Den grüßte Fips sonst mit dem Schwanz;
jetzt ging er voller Hoffart ganz
an seiner Tür vorüber.

Hundewelt

Kruse, Max

Die ganze Welt
riecht lasterhaft
nach Hunden
Katzen
Schnecken
nach Käse
Wurst und Leidenschaft
an Sträuchern
Steinen
Ecken
 
Die ganze Welt
ist ein Roman
der
aufgewühlten
Seelen
Ich
hebe auch
das Hinterbein
um meinen
zu erzählen  
 
Die ganze Welt
ist ein Gericht
der schnupperndsten
Ekstase
An jedem Baum
steht ein
Gedicht
das les' ich
mit
der Nase

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Hasensalat

Trojan, Johannes

Morgens in den Garten trat
Liese, klein und niedlich,
Saß ein Häslein im Salat,
Schmaust und tat sich gütlich.

Liese sprach: Du armes Tier,
Wart einmal, indes ich
Lauf ins Haus und hole dir
Zum Salat den Essig.

Kommt zurück schon mit dem Krug,
Niemals lief sie schneller ­
Essig gießt sie jetzt genug
Auf den Hasenteller.

Lieselchen, ich danke dir,
Sprach der kleine Fresser,
Eigentlich doch schmeckt es mir
Ohne Essig besser.

Vetter Starmatz

Blüthgen, Viktor

Wenn der Starmatz wieder heimkommt und der Frost nicht mehr dräut,
ach, was sind da die Kinder für glückliche Leut'!
Denn da schwirrt's bald und da schwebt's bald in Lüften zuhauf,
und da tun bald alle Blümlein ihre Äugelchen auf.

»Vetter Starmatz, Vetter Jakob, was bringst du uns mit? «
» Ein bissel Knarren, ein bissel Flöten, ein bissel Zwitschern, ich bitt'.
Keine Taschen im Rocke, kein Ränzchen ist mein,
wo tät' ich in der Fremde für euch was hinein? «

» Vetter Starmatz, Vetter Jakob, dein Häuschen steht leer.
Unser Sperling wollt' mieten, es gefiel ihm so sehr.
Was willst du uns zahlen, vermiet' ich dir das! «
» Ei da sing' ich, ei da spring ich, ei da spaß' ich euch was. «

»Vetter Starmatz, Vetter Jakob, wo hast du deine Frau?«
»Wenn die Stube wird blank sein, dann kommt sie zum Bau,
und da gibt's art'ge Kinder, nicht eins wird gewiegt;
denn ein richtiger Starmatz ist allzeit vergnügt. «

Summ, summ, summ

Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich

Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!
Ei, wir tun dir nichts zu leide,
Flieg nur aus in Wald und Heide!
Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!

Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!
Such in Blüten, such in Blümchen
Dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen
Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!

Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!
Kehre heim mit reicher Habe,
Bau uns manche volle Wabe,
Summ, summ, summ!
Bienchen summ herum!

Rabenschnabelschnupfen

Kyber, Manfred

Die Raben haben Schnabelschnupfen
Und scheinen gar nicht wohl zu sein.
In Tücher mit und ohne Tupfen
Verpacken sie sich sorgsam ein.

Die Sache ist durchaus bedenklich,
Wie man hier leider, leider sieht.
Und auch die Kinder scheinen kränklich
Und von erkältetem Gemüt.

Oh, schont euch, hütet euch zu hupfen
Und bleibt im Neste weich gewiegt,
Dass ihr zum Rabenschnabelschnupfen
Nicht auch das Krallenrheuma kriegt!

Das Häslein

Morgenstern, Christian

Unterm Schirme, tief im Tann,
hab ich heut gelegen,
durch die schweren Zweige rann
reicher Sommerregen.
 
Plötzlich rauscht das nasse Gras -
stille! nicht gemuckt! - :
Mir zur Seite duckt
sich ein junger Has ...
 
Dummes Häschen,
bist du blind?
Hat dein Näschen
keinen Wind?
 
Doch das Häschen, unbewegt,
nutzt, was ihm beschieden,
Ohren, weit zurückgelegt,
Miene, schlau zufrieden.
 
Ohne Atem lieg ich fast,
lass die Mücken sitzen;
still besieht mein kleiner Gast
meine Stiefelspitzen ...
 
Um uns beide - tropf - tropf - tropf -
traut eintönig Rauschen ...
Auf dem Schirmdach - klopf - klopf - klopf.
Und wir lauschen ... lauschen ...
 
Wunderwürzig kommt ein Duft
durch den Wald geflogen;
Häschen schnuppert in die Luft,
fühlt sich fortgezogen;
 
schiebt gemächlich seitwärts, macht
Männchen aller Ecken ...
Herzlich hab ich aufgelacht -:
Ei! der wilde Schrecken!

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