Gedichte für Kinder: Lustiges

Bumerang

Ringelnatz, Joachim

War einmal ein Bumerang
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum ­ noch stundenlang ­
wartete auf Bumerang.

Gerüchte

Kruse, Max

Rasch,
ich sag dir was ins Ohr;
und das kommt
dir komisch vor.
Also hör' mal,
weißt du schon,
dass Herr Tante
und Frau Sohn
gestern Abend
früh um acht
nichts gemacht?
Vorher sind sie außerdem
nachher, währenddessen dem
niemals nirgendwo gewesen.
Kannst es lesen!
Denn die Zeitung
war dabei,
übermorgen um halb drei.
Auch Herr Tante
und Frau Sohn
wissen's noch nicht,
sondern schon!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Die Heinzelmännchen

Kopisch, August

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul ... man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
ehe man's gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten,
und rupften
und zupften,
und hüpften und trabten
und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
 
Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg' in Eil;
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten
und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!
 
Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich -
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig,
und hoben
und schoben,
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor,
da rückte schon das Brot ... das neue, vor!
 
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten,
die wühlten,
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf, ...
wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!
 
Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer bis er niedersank,
am hohlen Fasse schlief er ein,
die Männlein sorgten um den Wein,
und schwefelten fein
alle Fässer ein,
und rollten und hoben
mit Winden und Kloben,
und schwenkten
und senkten,
und gossen und panschten
und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht!
 
Einst hatt' ein Schneider große Pein:
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
in den Schneidertisch;
da schnitten und rückten
und nähten und stickten,
und fassten
und passten,
und strichen und guckten
und zupften und ruckten...
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!
 
Neugierig war des Schneiders Weib,
und macht sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht,
die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fähret nun aus,
schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen
und plumpen in Kufen,
die fallen
mit Schallen,
die lärmen und schreien
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!
 
O weh! nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
man muss nun alles selber tun!
Ein jeder muss fein
selbst fleißig sein,
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln
und biegeln,
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, dass es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Zauberspruch

Kruse, Max

Nimm Entenfedern,
Löwenzahn
und einen Löffel
Lebertran.
sprich Hunke-
munke-mops dabei
und mische
einen dicken Brei.
Schmier dir
die Nasenspitze ein,
und stell dich
in den Mondenschein.
Und schwebst du nun
nicht in die Nacht -
dann hast du etwas
falsch gemacht!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Der Lattenzaun

Morgenstern, Christian

Es war einmal ein Lattenzaun
mit Zwischenraum hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -  

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick grässlich und gemein
drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od Ameriko.

Lügenmärchen

Arndt, Ernst Moritz

Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen:
ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen,
sie flogen gar ferne -
sie hatten den Rücken gen Himmel gekehrt,
die Füße wohl gegen die Sterne.

Ein Amboss und ein Mühlstein
die schwammen bei Köln wohl über den Rhein,
sie schwammen gar leise -
ein Frosch verschlang alle beid’
zu Pfingsten wohl auf dem Eise.

Es wollten vier einen Hasen fangen,
sie kamen auf Stelzen und Krücken gegangen,
der erste konnte nicht sehen,
der zweite war stumm, der dritte war taub,
der vierte konnte nicht gehen.

Nun denke sich einer, wie dieses geschah:
Als nun der Blinde den Hasen sah
auf grüner Wiese grasen,
da rief’s der Stumme dem Tauben zu,
und der Lahme erhaschte den Hasen.

Es fuhr ein Schiff auf trockenem Land
es hatte die Segel gen Wind gespannt
und segelt’ im vollen Laufen -
da stieß es an einen hohen Berg,
da tät das Schiff ersaufen.

In Straßburg stand ein hoher Turm,
der trotzete Regen, Wind und Sturm
und stand fest über die Maßen,
den hat der Kuhhirt mit einem Horn
eines Morgens umgeblasen.

Ein altes Weib auf dem Rücken lag,
sein Maul wohl hundert Klaftern weit auftat,
’s ist wahr und nicht erlogen,
drin hat der Storch fünfhundert Jahr
seine Jungen groß gezogen.

So will ich hiermit mein Liedlein beschließen,
und sollt’s auch die werte Gesellschaft verdrießen,
will trinken und nicht mehr lügen:
bei mir zu Land sind die Mücken so groß,
als hier die größesten Ziegen.

Die Wurzelfee

Kruse, Max

Wisper
knisper
Wurzelfee,
wer mich sucht,
dem tu ich weh:
Beiß' ihn
in den großen Zeh –
werf' ihn
in den Tümpelsee –
­tunke ihn
ins Glibbermoor-
kneif
ihn
in sein Lumpenohr –
­drehe ihm
die Nase quer. ..
Wenn du Mut hast
komm nur her!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Von dem großen Elefanten

Morgenstern, Christian

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der -
der immer so macht, hin und her.

Der lässt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst mir ja nicht drüber lachen.
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

Die Ameisen

Ringelnatz, Joachim

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona, auf der Chaussee,
da taten ihnen die Beine weh,
und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.

Vom Riesen Timpetu

Freudenberg, Alwin

Pst! Ich weiß was. Hört mal zu!
War einst ein Riese Timpetu.
Der arme Bursche hat - oh Graus -
im Schlafe nachts verschluckt 'ne Maus.
Er lief zum Doktor Isegrimm:
"Ach Doktor! Mir geht's heute schlimm.
ich hab' im Schlaf 'ne Maus verschluckt,
die sitzt im Leib und kneipt und druckt."
Der Doktor war ein kluger Mann,
man sah's ihm an der Nase an.
Er hat ihm in den Hals geguckt.
"Wie? Was? Ne Maus habt ihr verschluckt?
Verschluckt 'ne Miezekatz dazu.
so lässt die Maus euch gleich in Ruh."

Vom Leben der Spazoren

Hacks, Peter

Bei Asien gleich querfeldein,
da leben die Spazoren.
Die haben Rüssel wie ein Schwein
und tellergroße Ohren.

Von Tokio bis nach Athen
gibts keine mehr wie diese.
Man sieht sie bloß spazierengehn
auf einer gelben Wiese.

Sie haben Rosen angebaut
wohl auf dem gelben Rasen.
Sie schnobern am Lavendelkraut
und pflückens mit den Nasen.

Nie gibt es eine Hungersnot,
und kein Spazor kann kochen:
sie brauchen gar kein Abendbrot,
wenn sie sich satt gerochen.

Kommt dort einmal ein Regen vor,
vielleicht auf einer Kirmes,
dann heben sie das linke Ohr
statt eines Regenschirmes.

Und kommt ein harter Winter mal,
und friert das Eis und prickelt,
dann gehn sie , statt in einen Schal,
ins rechte Ohr gewickelt.

So brauchen sie zu darben nicht
und brauchen nicht zu frieren
und gehen ledig jeder Pflicht
spazoren, nein: spazieren.

Einst kam ein Doktor hochgelahrt
zum Lande der Spazoren.
Sie wünschten ihm vergnügte Fahrt
und winkten mit den Ohren.

mit freundlicher Genehmigung aus:Peter Hacks "Der Flohmarkt"
Nachdruck/Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Rechteinhabers. © Eulenspiegel Verlag Berlin

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