Gedichte für Kinder: Du und die anderen

Wann Freunde wichtig sind

Bydlinski, Georg

Freunde sind wichtig
zum Sandburgenbauen,
Freunde sind wichtig
wenn andre dich hauen,
Freunde sind wichtig
zum Schneckenhaussuchen,
Freunde sind wichtig
zum Essen von Kuchen.

Vormittags, abends,
im Freien, im Zimmer ...
Wann Freunde wichtig sind?
Eigentlich immer!

aus: Georg Bydlinski, Wasserhahn und Wasserhenne
© 2002 Dachs Verlag GmbH, Wien
http://www.patmos.de/
http://www.patmos.de/author/2284/singleAuthor.htm 
http://www.georg-bydlinski.at

Drohung

Kruse, Max

Mann,
du kommst mir
gerade recht,
Mücke! Fliege!
Stiefelknecht!
Lumpensohn
und Knüllpapier,
Flohbaron
und Lausetier!
Dich zerreiß ich
in der Luft,
schnauf dich ein
wie Kuhstallduft ...
hast du heut nicht
dran gedacht
und die Murmeln
mitgebracht!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Der kleine Ritter

Falke, Gustav

Hurra, mein neues Steckenpferd
hat feine flinke Beine!
Nun kauf ich mir ein großes Schwert
und reite ganz alleine.

Und reite, wie der Sturmwind weht,
rund dreimal um den Garten,
und wo der große Schneemann steht,
da muss mein Rösslein warten.

Nun komm mal her aus deiner Burg!
Dein Besen macht mich lachen.
Ich hau dich einfach mitten durch;
dann kannst du nichts mehr machen.

Da liegst du nun, du Goliath,
auf deiner weißen Nase,
und ich reit nach der nächsten Stadt,
reit vor das Tor und blase:

Herr König, Euer Feind ist tot,
mit großem Grimme focht er,
mein gutes Schwert bracht ihn in Not,
nun gebt mir Eure Tochter.

„Herein, Herr Ritter, kommt herein
mit Trommeln und Parade,
und morgen soll die Hochzeit sein,
dann gibt es Schokolade."

 

Meine Schwester

Mai, Manfred

Meine Schwester ist fünfzehn
und wirklich sehr nett,
am besten im Bett.

Sie erklärt mir fast alles,
was ich wissen will,
und will ich nichts wissen,
ist sie einfach still.

Wenn es Streit gibt zu Hause,
hilft sie meistens mir
und knallt voller Wut
ganz laut mit der Tür.

Meine Schwester ist fünfzehn
und richtig gemein,
will ich mit ihr reden,
schläft sie meistens ein.
 
Sie erklärt mir fast gar nichts
und hab' ich 'ne Frage,
sagt sie manchmal bissig:
Du bist eine Plage!

Wenn es Streit gibt zu Hause,
ist es meist wegen ihr,
doch ich werde geschimpft
und kann nichts dafür.

Meine Schwester ist fünfzehn
und mal so, dann mal so,
mal könnte ich sie...
und mal bin ich froh ...

Das Copyright liegt bei dem Verfasser. Der Text darf nur mit seinem Einverständnis verwendet werden.

Alle unsre Tauben

Falke, Gustav
Alle unsre Tauben
sind schon lange wach,
sitzen auf den Lauben,
sitzen auf dem Dach,
sitzen auf dem Regenfass:
Wer gibt denn uns Tauben was?
 
Alle unsre Hennen
sind schon aus dem Stall,
gackeln schon und rennen,
scharren überall.
Und der Hahn kräht: Futter her!
Immer mehr, nur immer mehr!
 
Alle unsre Kleinen 
machen ein Geschrei,
strampeln mit den Beinen,
wollen ihren Brei.
Lirum, larum, Löffelstiel,
wer krakeelt, der kriegt nicht viel.
 
Tauben, Hühner, kleine Kind’,
jeden Morgen hungrig sind.

Schulreime

Güll, Friedrich

Hörst Du's schlagen halber acht?
Gleich das Buch zurechtgemacht!
Schau, schon rudelts, groß und klein,
dick und dünn zur Schul hinein.
Wills Du gar der Letzte sein?

Schnell die Mappe übern Kopf
Und die Kappe auf den Schopf!
Und nun spring und lern' recht viel.
Wer sich tummelt kommt ans Ziel.

Charlotte

Blüthgen, Viktor

Charlotte Kompotte Naschmajor,
hat 'nen Bart bis an das Ohr,
leckt die Schüsseln und Teller,
nascht in Küche und Keller -
Holt ein Schloss vom Schlosser Paul!
Für wen denn?
Fürs Leckermaul.

Künstler

Kruse, Max

Hier hast du
zwei Tiegel
und jeder
enthält
mit Tusche
und Tinte
ein Bild
dieser Welt

Die Welt
ist der Strich
und die Welt
ist das Wort
Die Welt
ist dein Ich
und das Licht
und der Ort
 
Die Welt
ist der Flügel
der Vogel

der Strauch
Die Welt
ist der Hügel
der Herbst
und der Rauch
 
Du brauchst
nur
den Pinsel
du brauchst
keine Kraft
es reicht
deine ruhige
Meisterschaft

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag mit frdl. Genehmigung des Autors;        Rechte bei Max Kruse

Es war ein kleiner Junge

Hacks, Peter

Es war ein kleiner Junge,
der war ein nettes Kind,
der war mal brav, mal böse,
so wie halt Jungen sind.

Der hatte blonde Haare,
die waren nie gekämmt,
und eine rote Hose
und ein gestreiftes Hemd.

Und eine kleine Nase
und einen großen Mund,
und manchmal fuhr er Roller
und hatte einen Hund.

Er war mal brav, mal böse,
so wie halt Jungen sind.
Und seine Mama sagte,
auch wenn sie niemand fragte:
Er ist ein nettes Kind.

mit freundlicher Genehmigung aus:Peter Hacks "Der Flohmarkt"
Nachdruck/Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Rechteinhabers. © Eulenspiegel Verlag Berlin

Leicht und schwer

Mai, Manfred

Es ist leicht,
andere zu beschimpfen –
Du Quatschkopf!
Du Rindvieh !
Du Sauertopf!
Du Depp!
Du Miesepeter!
Du Idiot!
Du Nasenbär!
Du Schwein!
 
Da findet man
ohne langes Überlegen
schnell die passenden Worte.
 
Es ist schwer,
anderen etwas Nettes zu sagen:  
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Du
Da findet man
Trotz langem Überlegen schwer die passenden Worte.

Das Copyright liegt bei dem Verfasser. Der Text darf nur mit seinem Einverständnis verwendet werden.

Der kleine Sünder

Dehmel, Paula

Gestern lief der Peter weg,
spinnefix, verstohlen.
Setzt sich Mutter den Bänderhut auf:
Wart, ich will dich holen!
Sausepeter,
Flausepeter,
kleiner Sünder, wo bist du?

Hahnematz steht auf der Wiese;
Kiek ins Grüne! kräht er.
Sag mir, bunter Kikeriki,
wo ist unser Peter?
Bummelpeter,
Schummelpeter,
kleiner Sünder, wo bist du?

Wie sie in den Garten kommt,
ist er nicht zu sehen;
bleibt sie neben dem Spargelbeet
unterm Pflaumenbaum stehen.
Aber Peter,
nirgends steht er;
kleiner Sünder, wo bist du?

Hört sie etwas lachen, horch,
oben aus dem Baume;
sitzt der Peter seelenvergnügt,
pflückt sich eine Pflaume.
Wirft ein Steinchen,
schwenkt die Beinchen,
wuppdich - Mutter, da bin ich.

Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen

Rückert, Friedrich

Denk an! Das Büblein ist einmal
Spazieren gegangen im Wiesental;
Da wurd's müd' gar sehr
Und sagt': „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist das Bächlein geflossen kommen
Und hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich auf's Bächlein gesetzt
Und hat gesagt. „So gefällt mir's jetzt."

Aber was meinst du? das Bächlein war kalt,
Das hat das Büblein gespürt gar bald;
Es hat's gefroren gar sehr,
Es sagt': „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist das Schifflein geschwommen kommen
Und hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich auf's Schifflein gesetzt
Und hat gesagt: „Da gefällt mir's jetzt."

Aber sieh'st du? das Schifflein war schmal,
Das Büblein denkt: „Da fall' ich einmal“;
Da fürcht't es sich gar sehr
Und sagt': „Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist die Schnecke gekrochen gekommen
Und hat's Büblein mitgenommen:
Das Büblein hat sich in's Schneckenhäuslein gesetzt
Und hat gesagt: „Da gefällt mir's jetzt."

Aber denk! die Schnecke war kein Gaul,
Sie war im Kriechen gar zu faul;
Dem Büblein ging's langsam zu sehr;
Es sagt': „Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist der Reiter geritten gekommen,
Der hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich hinten auf's Pferd gesetzt
Und hat gesagt: „So gefällt mir's jetzt!"

Aber gib acht! das ging wie der Wind!
Es ging dem Büblein gar zu geschwind;
Es hopft darauf hin und her
Und schreit: „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist ein Baum ihm ins Haar gekommen;
Und hat das Büblein mitgenommen;
Er hat's gehängt an einem Ast gar hoch,
Dort hängt das Büblein und zappelt noch.

Das Kind fragt:
„Ist denn das Büblein gestorben?“

Antwort
„Nein! Es zappelt ja noch!
Morgen gehen wir ’naus und tun’s runter.“

Dachgeschichten

Roth, Klaus

Meine Katze übt
auf dem First Seiltanz.
Ich sitze auf dem Kamin
und zeige den Elstern,
wohin sie fliegen sollen.
In der Dachrinne morsen
die jungen Spatzen
geheime Nachrichten
in alle Welt.

Mit frdl. Genehmigung des Verfassers

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