Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894)

Die Hunnen

Sie schleichen, wie der Nebel schleicht,

der nachts vom Moor zum Berge steigt,

der Busch und Baum und Menschenkind

im Schlaf mit eklem Gift umspinnt;

sie brechen gleich dem Sturm hervor,

der Tannen knickt wie dürres Rohr,

dem Strome gleich, de; überschwillt

und Stadt und Dorf mit Jammer füllt!

     Die Hunnen, die Hunnen!

Sie schlagen den Herren, sie rauben den Hort,

sie schleppen das Weib als Sklavin fort;

sie leeren den Stall, sie plündern den Schrein,

sie brechen den Keller und schütten den Wein;

sie schleudern ins Haus den flackernden Span,

es kräht von der Scheuer der rote Hahn;

sie werfen den Brand in das reife Korn,

und Asche weht durch Distel und Dorn:

Die Hunnen, die Hunnen!

 

Das Gras verwelkt an Rain und Pfad,

wenn ihn ein Hunnenfuß betrat;

der Bach versiegt, der Born wird faul,

wenn aus ihm trank ein Hunnengaul.

Vergilbt und tot ist Kraut und Klee,

im Wald verschmachten Hirsch und Reh;

kein Vogel singt im stillen Hain,

der Wind nur seufzt am nackten Stein:

Die Hunnen, die Hunnen!

 

So braust, der Hagelwolke gleich,

der wilde Schwarm von Reich zu Reich.

Vor ihm die schöne, grüne Welt

mit Wiesenflur und Ackerfeld;

im Rücken kreischt der Habicht schrill

um Aas und Schutt, sonst alles still.

­Und weiter stampft der eherne Hut:

und weiter klagt der Jammerruf:

      Die Hunnen, die Hunnen!