Trojan, Johannes (1837-1915)

Zum neuen Jahr

 

Weiß schimmernd kommt das neue Jahr,
Schneespuren folgen seinem Schritt.
Streng' ist und rauh der Januar,
Doch rothe Wangen bringt er mit.
 
Der Februar stellt auch sich ein
Als ein recht frostiger Gesell;
Doch schon drängt sich der März heran,
Der weckt die Veilchen auf am Quell.
 
April bringt Blumen mannigfalt,
Die streut er auf die Wiesen hin,
Der Mai schmückt wundervoll den Wald,
Und sagt: Jetzt Nachtigall, beginn!
 
Im Juni blühn die Rosen hold,
Das Korn schlägt Wellen wie ein Meer;
Im Juli reift der Aehren Gold,
Daß sie herab sich neigen schwer.
 
August trägt, was in Julis Gluth
Gereift ist, froh in Scheun und Fach,
Ihm geht September wohlgemut
Mit dem gefüllten Fruchtkorb nach.
 
Oktober bringt zu guterletzt
Den Wein und macht den Nußbaum leer.
November spricht: Ich schüttle jetzt
Das Laub herunter ringsumher.
 
Dann kommt aufs Neu mit Winterschnee
Dezember und mit langer Nacht,
Bis daß ein Licht aus Himmelshöhn'
Des Weihnachtsfestes Glanz entfacht.
 
So sorgt und schafft das ganze Jahr
In seiner Monde langer Reih',
Gar viele Tage sind es zwar,
Jedoch wie schnell gehn sie vorbei!
 
Sorg', dass Du nicht in träge Ruh'
In eitlen Müßiggang versinkst!
Sieh, daß im Lauf des Jahrs auch du.
Etwas Rechtschaffnes vor dich bringst.
 
Rein sei Dein Herz, dein Auge klar,
Unwahres rede nie dein Mund -
Gott aber halt' durchs ganze Jahr
Dich froh, zufrieden und gesund!

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