Schiller, Friedrich (1759-1805)

Zum Geburtstag der Frau Griesbach

Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
Und klopf an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Dass ich dir gratuliere.

Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier;
Denn alles, was die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.

Sag selbst, was ich dir wünschen soll;
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.

Es wachsen fast dir auf den Tisch
Die Spargel und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch,
Und so die Reineclauden.

Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße;
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, dass ich's wisse.

Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter;
Die Kuh im Stalle ruft muh! muh!
Und gibt dir Milch und Butter.

Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohlgelungen.

Du bist wohlauf; Gott Lob und Dank!
Musst‘s auch fein immer bleiben;
Ja, höre, werde ja nicht krank,
Dass sie dir nichts verschreiben!

Nun lebe wohl! Ich sag ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh,
'ne Butterbemme schneiden.

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