Hauptmann, Gerhart (1862-1946)

Mondscheinlerchen

Von dem Lager heb' ich sacht 
meine müden Glieder, 
eine warme Sommernacht 
draußen stärkt sich wieder.

Mondschein liegt um Meer und Land 
dämmerig gebreitet, 
in den weißen Dünensand 
Well' auf Welle gleitet.

Unaufhörlich bläst das Meer 
eherne Posaunen; 
Roggenfelder, segenschwer, 
leise wogend raunen.

Wiesenfläche, Feld und Hain 
zaubereinsam schillern, 
badend hoch im Mondenschein 
Mondscheinlerchen trillern.

„Lerche, sprich, was singst du nur 
um die Mitternachtsstunde? 
Dämmer liegt auf Meer und Flur 
und im Wiesengrunde.“

„Will ich meinen Lobgesang 
halb zu Ende bringen, 
muß ich tag- und nächtelang 
singen, singen, singen!“

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