Blüthgen, Viktor (1844 - 1920)

Märzbeginn

Ich lieb im Lenz die grauen, kühlen Tage:
Stillfröstelnd ruht die Welt, die wintersatte;
ein grüner Hauch verklärt die kahle Matte,
ein Glanz den dürren Knospenbaum im Hage. 

Als müsse jegliches Geräusch sich dämpfen!
Blanksaub're Wege, und spielfrohe Kinder,
und Veilchensucher...Sommer nicht, noch Winter;
Rasttage vor den harten Frühlingskämpfen.

In diese Stimmung passen Sonntagsklänge,
wie sie den Knaben feierlich umklungen:
Ich seh'noch drüben die Kurrendejungen,'
hör' vor der Schmiede die Choralgesänge.

Auf weißen Sand, den bis zur Tür man streute,
Großvater stand und ich; er summte leise:
"Komm, heil'ger Geist" - das Haupt gebückt, das greise;
aus off'nen Fenstern lauschten Nachbarsleute.

Die schwarze Schar zog weiter. Kinder kamen,
in jeder Faust ein Schlüsselblumen-Sträußchen;
und Bratenduft quoll rückwärts aus dem Häuschen.
Großvater stand und nickte: Amen! Amen! 

 

 

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