Liliencron, Detlev von (1844-1909)

In jungen Jahren

Schönes Kind von achtzehn Jahren,
Ein Weilchen sind wir zusammengefahren
Durch diese verdammt langweilige Welt;
Und schon sind uns die Rosen vergällt?
Schon lauern Gähnen und lästiger Trug;
Um des Himmels willen, genug, genug,
Ein toter Docht kann nicht mehr glimmen,
Ein lässiger Arm kein Meer durchschwimmen.
So geh deinen Weg du, ich gehe den meinen,
Wolln uns nicht grämen, wollen nicht greinen;
Und sollten wir später uns treffen einmal,
Wirds keinem von uns zu Kummer und Qual.
Hast schnell einen Schatz, ich find ein Schätzchen,
Du einen Kater, ich ein Kätzchen;
Streichelst dann, eia, ein andres Hänschen,
Und mir schläft im Arm ein andres Gänschen.
Nur immer frisch das Leben genossen,
Bald hält uns höhnisch der Sarg umschlossen.
Und nun Lebwohl; Dank sei dir gebracht
Für manche sturmherrliche Liebesnacht.
Noch einmal komm ich morgen früh,
Und dann ist die Sache perdauz und perdü.

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