Hebbel, Friedrich (1813-1863)

Hexenritt

Es haben drei Hexen bei Nebel und Nacht
Zum fernen Blocksberg sich aufgemacht.

Begegnet ihnen ein feiner Mann,
Da halten die drei den Besenstiel an.

Spricht drauf die erste: "Ich tu euch kund,
Den da verwandl' ich in einen Hund!"

Spricht drauf die zweite: "Das ist nicht recht,
Zum Affen aber taugt er nicht schlecht!"

Spricht drauf die dritte: "Du bist ein Stock,
Er wird der trefflichste Ziegenbock!"

Und murmeln alle zugleich den Fluch,
Und jede entkräftet der Schwestern Spruch.

Und sind schon lange beim tollen Schmaus,
Da steht noch der Zarte in Schreck und Graus.

Und kommt zum Liebchen mit blassem Gesicht
Und klopft ans Fenster, doch ruft er ihr nicht.

Und redet sie leise, leise an
Und freut sich, dass er nicht bellen kann.

Und spricht vom Himmel auf Erden nun
Und denkt: das kann doch kein Affe tun.

Und als sie ihm hold in die Arme sinkt,
Da weiß er's gewiss, dass er auch nicht stinkt!

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