Vogl, Johann Nepomuk (1802-1866)

Heinrich der Vogler

Herr Heinrich schaut so fröhlich drein:
„Wie schön ist heut' die Welt!
Was gilt's? Heut' gibt's 'nen guten Fang!“
Er lugt zum Himmelszelt.

Er lauscht und streicht sich von der Stirn'
Das blondgelockte Haar:

„Ei doch! Was sprengt denn dort herauf
Für eine Reiterschar?“

Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt,
Es naht der Waffen Klang.

„Dass Gott! Die Herrn verderben mir
Den ganzen Vogelfang!“

„Ei nun! - Was gibt's?“ - Es hält der Tross
Vor'm Herzog plötzlich an;

Herr Heinrich tritt hervor und spricht:
„Wen sucht ihr Herr'n? Sagt an.“

Da schwenken sie die Fähnlein bunt
Und jauchzen: „Unsern Herrn! –
Hoch lebe Kaiser Heinrich! – Hoch

Des Sachsenlandes Stern!“

Dies rufend, knie'n sie vor ihm hin
Und huldigen ihm still,
Und rufen, als er staunend fragt:
„’S ist deutschen Reiches Will'!“

Da blickt Herr Heinrich tiefbewegt
Hinauf zum Himmelszelt;

„Du gabst mir einen guten Fang! –
Herr Gott, wie Dir's gefällt.“-

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