Seidel, Heinrich (1842-1906)

Die verschwundene Puppe

Was war das heute für ein Schreck
denkt Euch- Elisabeth ist weg!
Die schöne große Puppe.
Gleich nach der Morgensuppe
Da wollt ich eilig zu ihr gehen,
oh weh, da war sie nicht zu sehn!

Ich hatte in den Wagen
doch selber sie getragen
und ihr das Kissen fein geklopft
und ihr die Decke eingestopft.
Nun war das schöne Bettchen leer-
Da schrie ich laut und weinte sehr.

So schön und heil war sie ja noch,
sie hatte nur im Kopf ein Loch.
Auch fehlte die Perücke
ein Arm ging ihr in Stücke,
die Nase war zerschmettert
weil sie so gerne klettert,
dabei vom Schrank gefallen war-
sonst war sie heil noch
ganz und gar!

Ach niemand konnt mir sagen
Wer sie davon getragen.
Bei Onkel Heinrich fragt ich an,
der dachte nach und sagte dann:
"Vielleicht hat sie der Weihnachtsmann
und heilt sie in der Klinik aus
In seinem großen Puppenkrankenhaus.
Dort kriegt sie viel Rhabarber ein
Und wird dann wieder hübsch und fein.

Vielleicht kommt sie ja wieder
Und hat dann heile Glieder.
Ein neues Seidenkleid dazu
mit Spitze
und feuerrote Schuh
und Locken wie von reinem Gold
und ist so schön und ist so hold,
dass du sie gar nicht wieder kennst
und sie nur Frau Prinzessin nennst!? "

Ach, wenn das wär,
Ach, wenn das wär,
dann freut ich mich
ja schrecklich sehr
und tischhoch wollt ich springen
und wollt ein Loblied singen
dem lieben, guten Weihnachtsmann,
der alles hat und alles kann.

Zurück