Tieck, Ludwig (1773-1853)

An einen Liebenden im Frühling 1814

Wonne glänzt von allen Zweigen, 
Mutig regt sich jedes Reis, 
Blumenkränz' aus Bäumen steigen, 
Purpurrot und silberweiß.

Und bewegt wie Harfensaiten 
Ist die Welt ein Jubelklang, 
Durch der Welten Dunkelheiten 
Tönt der Nachtigall Gesang.

Warum leuchten so die Felder? 
Nie hab' ich dies Grün gesehn! 
Lustgesang dringt durch die Wälder, 
Rauschend wie ein Sturmeswehn.

Sieg und Freiheit blühn die Bäume, 
Heil dir, Vaterland! erschallt 
Jubelnd durch die grünen Räume, 
Freiheit! braust der Eichenwald.

Hoch beglückt, ja hoch gesegnet, 
Wem in diesem Lustgefild' 
Liebesglück noch hold begegnet 
Und die letzte Sehnsucht stillt.

Zurück