Loeben, Otto Heinrich Graf von (1786-1825)

Abendröte

Frieden auf der Erde wieder, 
Webend über Wald und Au, 
Und es äugelt auf uns nieder 
Ein vertraulich Himmelblau 
In den Büschen alte Lieder, 
Goldne Vögel, Lichtgefieder, 
Blumen laben sich im Tau.
 
Ausgeblitzt hat nun das Toben,
Es zerreißt die Wetterwand, 
Legt sich abgekühlt nach oben 
Wie ein aufgeblühtes Land. 
Blitze sind in Duft zerstoben, 
Bilder in den Duft gewoben, 
Abendröt’ in Liebesbrand.
 
Jede Gegend schwimmt verklärter, 
Jede Farbe zieht hinauf, 
Das Vergangne wird uns werter, 
Sel'ge Blicke gehen auf. 
Mit dem goldnen Funkenbogen 
Kommt die Jugend rückgezogen, 
Oben sitzt der Engel drauf .

   

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