Emanuel Geibel (1815-1884)

Das Negerweib


Wo am großen Strom die Sicheln durch das hohe Rohrfeld flirren,
Und im Laub des Zuckerahorns farb'ge Papageyen schwirren,
Sitzt das Negerweib, den Nacken bunt geziert mit Glaskorallen,
Und dem Knäblein auf dem Schoße lässt ein Schlummerlied sie schallen:

Schlaf, o schlaf mein schwarzer Knabe, du zum Jammer mir geboren,
Eh' zu leben du beginnest, ist dein Leben schon verloren.
Schlaf, o schlaf, verhüllt in Dunkel ruhn dir noch der Zukunft Schrecken;
Nur zu früh aus deinen Träumen wird der Grimm des Herrn dich wecken.

Was die Menschen Freude heißen, wirst du nimmermehr empfinden,
Dort nur fühlt sich's, wo des Nigers Wellen durch die Flur sich winden.
Nie den Tiger wirst du fällen mit dem Wurf der scharfen Lanzen,
Nie den Reigen deiner Väter zu dem Schlag der Pauke tanzen.

Nein, dein Tag wird sein von Tränen, deine Nacht wird sein voll Klagen.
Wie das Thier des Feldes wirst du stumm das Joch der Weißen tragen,
Wirst das Holz den Weißen fällen und das Rohr den Weißen schneiden,
Die von unserm Marke prassen und in unserm Schweiß sich kleiden.

Kluge Männer sind die Weißen; sie durchfahren kühn die Meere,
Blitzesglut und Schall des Donners schläft in ihrem Jagdgewehre;
Ihre Mühlen, dampfgetrieben, regen sich mit tausend Armen,
Aber ach, bei ihrer Klugheit wohnt in Herzen kein Erbarmen.

Oftmals hört' ich auch die Stolzen sich mit ihrer Freiheit brüsten,
Wie sie kühn vom Mutterlande losgerissen diese Küsten,
Aber über jenen Edeln, der mit Muth das Wort gesprochen,
Dass die Schwarzen Menschen wären, haben sie den Stab gebrochen.

Süß erklinget ihre Predigt, wie ein Gott für sie gestorben,
Und durch solches Liebesopfer aller Welt das Heil erworben;
Doch wie soll das Wort ich glauben, wohnt es nicht in ihren Seelen?
Ist denn das der Sinn der Liebe, dass sie uns zu Tode quälen?

O du großer Geist, was taten meines armen Stamms Genossen,
Daß du über uns die Schalen deines Zornes ausgegossen!
Sprich, wann wirst du mild dein Auge aus den Wolken zu uns wenden?
Sprich, o sprich, wann wird der Jammer deiner schwarzen Kinder enden?

Ach, das mag geschehen, wenn der Mississippi rückwärts fließet,
Wenn an hoher Baumwollstaube dunkelblau die Blüte sprießet,
Wenn der Alligator friedlich schlummert bei den Büffelherden,
Wenn die weißen freien Pflanzer, wenn die Christen Menschen werden.
.

 

 

 


Die Goldgräber

 

 Sie waren gezogen über das Meer,

 Nach Glück und Gold stand ihr Begehr,

 Drei wilde Gesellen, vom Wetter gebräunt,

 Und kannten sich wohl und waren sich freund.

 

 Sie hatten gegraben Tag und Nacht

 Am Flusse die Grube, im Berge den Schacht,

 In Sonnengluten und Regengebraus,

 Bei Durst und Hunger hielten sie aus.

 

 Und endlich, endlich, nach Monden voll Schweiß,

 Da sahn aus der Tiefe sie winken den Preis,

 Da glüht' es sie an durch das Dunkel so hold,

 Mit Blicken der Schlange, das feurige Gold.

 

 Sie brachen es los aus dem finsteren Raum,

 Und als sie's fassten, sie hoben es kaum,

 Und als sie's wogen, sie jauchzten zugleich:

 „Nun sind wir geborgen, nun sind wir reich!"

 

 Sie lachten und kreischten mit jubelndem Schall,

 Sie tanzten im Kreis um das blanke Metall,

 Und hätte der Stolz nicht bezähmt ihr Gelüst,

 Sie hätten‘s mit brünstiger Lippe geküsst.

 

 Sprach Tom, der Jäger: Nun lasst uns ruhn!

 Zeit ist‘s, auf das Mühsal uns gütlich zu tun.

 Geh, Sam, und hol uns Speisen und Wein!

 Ein lustiges Fest muss gefeiert sein!

 

 Wie trunken schlenderte Sam dahin,

 Zum Flecken hinab mit verzaubertem Sinn;

 Sein Haupt umnebelnd beschlichen ihn sacht

 Gedanken, wie er sie nimmer gedacht.

 

 Die andern saßen am Bergeshang,

 Sie prüften das Erz, und es blitzt' und es klang.

 Sprach Will, der Rote: Das Gold ist fein;

 Nur schade, dass wir es teilen zu drei'n.

 

 „Du meinst?" – Je, nun, ich meine nur so,

 Zwei würden des Schatzes besser froh -

 „Doch wenn - " – Wenn was? – „Nun, nehmen wir an,

 Sam wäre nicht da " – Ja, freilich, dann, dann - -

 

 Sie schwiegen lang; Die Sonne glomm

 Und gleißt' um das Gold; da murmelte Tom:

 „Siehst du die Schlucht dort unten?" – Warum? -

 „Ihr Schatten ist tief, und die Felsen sind stumm."-

 

 Versteh ich dich recht? – „Was fragst du noch viel!

 Wir dachten es beide, und führen‘s ans Ziel.

 Ein tüchtiger Stoß und ein Grab im Gestein,

 So ist es getan, und wir teilen allein!"

 

 Sie schwiegen aufs neu. Es verglüht' der Tag,

 Wie Blut auf dem Golde das Spätrot lag.

 Da kam er zurück, ihr junger Genoss,

 Von bleicher Stirne der Schweiß ihm floss.

 

 „Nun her mit dem Korb und dem bauchigen Krug!"

 Und sie aßen und tranken mit tiefem Zug.

 „Hei lustig, Bruder! Dein Wein ist stark,

 Er rollt wie Feuer durch Bein und Mark.

 

 Komm, tu uns Bescheid!" – Ich trank schon vorher;

 Nun sind vom Schlafe die Augen mir schwer.

 Ich streck ins Geklüft mich. – „Nun, gute Ruh!

 Und nimm den Stoß und den dazu!"

 

 Sie trafen ihn mit den Messern gut.

 Er schwankt und glitt im rauchenden Blut.

 Noch einmal hub er sein blaß Gesicht:

 „Herrgott im Himmel, du hältst Gericht!

 

 Wohl um das Gold erschluget ihr mich.

 Weh‘ euch! Ihr seid verloren wie ich.

 Auch ich, ich wollte den Schatz allein

 Und mischt' euch tödliches Gift an den Wein!"

 


Entschwunden

Einstmals hab ich ein Lied gewusst,

Einst, in goldenen Stunden,

Sang ich's, da ich ein Kind noch war,

Aber mir ist's entschwunden.

 

Lieblich schwebte die Weise hin,

weich wie Schwanengefieder;

Ach, wohl such' ich durch Feld und Wald,

Finde nimmer sie wieder.

 

Manchmal mein ich, es wogt ihr Laut

Über der Flur in den Winden;

Aber es ist verhallt im Nu,

Will ich ihn greifen und binden.

 

Oft auch, wenn ich bei Nacht entschlief,

Streift urplötzlich und leise

Über mein Herz mit Traumeshand

Die verlorene Weise.

 

Aber fahr' ich vom Kissen auf,

Kann ich mich nimmer besinnen;

Nur vom Auge noch fühl ich sacht

Brennende Tränen rinnen.

 

Und doch mein ich: fänd ich den Klang,

All die heimlichen Schmerzen

Könnt, ich wieder, wie einst als Kind,

Mir wegsingen vom Herzen.

 

 


Fern im Süd das schöne Spanien

Fern im Süd das schöne Spanien,

Spanien ist mein Heimatland,

Wo die schattigen Kastanien

Rauschen an des Ebro Strand,

Wo die Mandeln rötlich blühen,

Wo die süße Traube winkt

Und die Rosen schöner glühen

Und das Mondlich gold'ner blinkt.

 

Lang schon wandr' ich mit der Laute

Traurig hier von Haus zu Haus,

Doch kein helles Auge schaute

Freundlich noch nach mir heraus.

Spärlich reicht man mir die Gaben,

Mürrisch heißet man mich gehn;

Ach den armen braunen Knaben

Will kein einziger verstehn.

 

Dieser Nebel drückt mich nieder,

Der die Sonne mir entfernt,

Und die alten lust'gen Lieder

Hab ich alle schon verlernt.

Ach, in alle Melodien

Schleicht der eine Klang sich ein:

In die Heimat möcht ich ziehen,

In das Land voll Sonnenschein!

 

Als beim letzten Erntefeste

Man den großen Reigen hielt,

Hab ich jüngst das allerbeste

Meiner Lieder aufgespielt.

Doch, wie sich die Paare schwangen

In der Abendsonne Gold,

Sind auf meine dunkeln Wangen

Heiße Tränen hingerollt.

 

Ach, ich dachte bei dem Tanze

An des Vaterlandes Lust,

Wo im duft'gen Mondenglanze

Freier atmet jede Brust,

Wo sich bei der Zither Tönen

Jeder Fuß beflügelt schwingt

Und der Knabe mit der Schönen

Glühend den Fandango schlingt.

 

Nein! des Herzens sehnend Schlage

Länger halt ich's nicht zurück;

Will ja jeder Lust entsagen,

Lasst mir nur der Heimat Glück!

Fort zum Süden, fort nach Spanien!

In das Land voll Sonnenschein!

Unterm Schatten der Kastanien

Muss ich einst begraben sein!

 


Friedrich Rotbart

Tief im Schoße des Kyffhäusers

Bei der Ampel rotem Schein

Sitzt der alte Kaiser Friedrich

An dem Tisch von Marmorstein.

 

Ihn umwallt der Purpurmantel,

Ihn umfängt der Rüstung Pracht,

Doch auf seinen Augenwimpern

Liegt des Schlafes tiefe Nacht.

 

Vorgesunken ruht das Antlitz,

Drin sich Ernst und Milde paart,

Durch den Marmortisch gewachsen

ist sein langer, goldner Bart.

 

Rings wie eh‘rne Bilder stehen

Seine Ritter um ihn her,

Harnischglänzend, schwertumgürtet,

aber tief im Schlaf, wie er.

 

Heinrich auch, der Ofterdinger,

Ist in ihrer stummen Schar,

Mit den liederreichen Lippen,

mit dem blondgelockten Haar.

 

Seine Harfe ruht der Sänger

In der Linken ohne Klang;

Doch auf seiner hohen Stirne

Schläft ein künftiger Gesang.

 

Alles schweigt, nur hin und wieder

Fällt ein Tropfen vom Gestein,

Bis der große Morgen plötzlich

Bricht mit Feuersglut herein;

 

Bis der Adler stolzen Fluges

Um des Berges Gipfel zieht,

Dass vor seines Fittichs Rauschen

Dort der Rabenschwarm entflieht.

 

Aber dann, wie ferner Donner

Rollt es durch den Berg herauf,

Und der Kaiser greift zum Schwerte,

Und die Ritter wachen auf.

 

Laut in seinen Angeln dröhnend,

Tut sich auf das eh‘rne Tor:

Barbarossa mit den Seinen

Steigt im Waffenschmuck empor.

 

Auf dem Helm trägt er die Krone

Und den Sieg in seiner Hand;

Schwerter blitzen, Harfen klingen,

Wo er schreitet durch das Land.

 

Und dem alten Kaiser beugen

Sich die Völker allzugleich,

Und aufs neu in Aachen gründet

Er das heil'ge deutsche Reich.


Frühlingslied


Mit geheimnisvollen Düften

Grüßt vom Hang der Wald mich schon,

Über mir in hohen Lüften

Schwebt der erste Lerchenton.

 

In den süßen Laut versunken

Wall' ich hin durchs Saatgefild,

Das noch halb vom Schlummer trunken

Sanft dem Licht entgegenschwillt.

 

Welch ein Sehnen! welch ein Träumen!

Ach, du möchtest vorm Verglühn

Mit den Blumen, mit den Bäumen,

Altes Herz, noch einmal blühn.

 

 


Gudruns Klage

Nun geht in grauer Frühe

der scharfe Märzenwind,

und meiner Qual und Mühe

ein neuer Tag beginnt.

Ich wall' hinab zum Strande

durch Reif und Dornen hin,

zu waschen die Gewande

der grimmen Königin.

 

Das Meer ist tief und herbe,

doch tiefer ist die Pein,

von Freund und Heimatserbe

allzeit geschieden sein;

doch herber ist's, zu dienen

in fremder Mägde Schar,

und hat mir einst geschienen

die güldne Kron' im Haar.

 

Mir ward kein guter Morgen,

seit ich dem Feind verfiel:

mein Speis und Trank sind Sorgen

und Kummer mein Gespiel.

Doch berg' ich meine Tränen

in stolzer Einsamkeit;

am Strand den wilden Schwänen

allein sing' ich mein Leid.

 

Kein Dräuen soll mir beugen

den hochgemuten Sinn;

ausduldend will ich zeugen,

von welchem Stamm ich bin.

Und so sie hold gebaren,

wie Spinnweb acht‘ ich’s nur;

ich will getreu bewahren

mein Herz und meinen Schwur.

 

0 Ortwin, trauter Bruder,

o Herwig ! Buhle wert,

was rauscht nicht euer Ruder,

was klingt  nicht euer Schwert!

Umsonst zur Meereswüste

hinspäh' ich jede Stund':

doch naht sich dieser Küste

kein Wimpel, das mir kund.

 

Ich weiß es: nicht vergessen

habt ihr der armen Maid;

doch ist nur kurz gemessen

dem steten Gram die Zeit.

Wohl kommt ihr einst, zu sühnen;

zu retten, ach zu spät,

wann schon der Sand der Dünen

um meinen Hügel weht.

 

Es dröhnt mit dumpfem Schlage

die Brandung in mein Wort;

der Sturm zerreißt die Klage

und trägt beschwingt sie fort.

möchte‘ er brausend schweben

und geben euch Bericht:

„Wohl lass‘ ich hier das Leben,

die Treue lass ich nicht!“

Herbstlich sonnige Tage

Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust

O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh’!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu bau’n,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schau’n.

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemüh’n,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blüh’n.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.

 


Hochsommer

Von des Sonnengotts Geschossen
Liegen Wald und Flur versengt,
Drüber, wie aus Stahl gegossen,
Wolkenlose Bläue hängt.

In der glutgeborstnen Erde
Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt
Am versiegten Bach die Herde,
Und der Hirsch im Forste lechzt.

Kein Gesang mehr in den Zweigen!
Keine Lilie mehr am Rain! -
O wann wirst du niedersteigen,
Donnerer, wir harren dein.

Komm, o komm in Wetterschlägen!
Deine Braut vergeht vor Weh -
Komm herab im goldnen Regen
Zur verschmachtenden Danae!


Hoffnung


Und dräut der Winter noch so sehr

mit trotzigen Gebärden,

und streut er Eis und Schnee umher,

es muss doch Frühling werden.

 

Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,

mir soll darob nicht bangen,

auf leisen Sohlen über Nacht

kommt doch der Lenz gegangen.

 

Drum still! Und wie es frieren mag,

o Herz, gib dich zufrieden,

es ist ein großer Maientag

der ganzen Welt beschieden.

 

Und wenn dir oft auch bangt und graut,

als sei die Höll' auf Erden,

nur unverzagt auf Gott vertraut!

Es muss doch Frühling werden.

 

 


Im Mittag glänzt die Sonne

Im Mittag glänzt die Sonne,

Es schweigt die See und ruht;

Blaugrün wie eines Pfauen Hals

Herschillert ihre Flut.

 

    Ich lieg' auf warmer Düne,

Vom feuchten Hauch gekühlt,

Und kann nicht satt mich schauen,

Wie Farb' in Farbe spült;

 

    Wie blendend ihre Schwingen

Die Möwe senkt und hebt

Und traumhaft fern am Horizont

Des Dampfschiffs Säule schwebt.

 

 

 


Nun die Schatten dunkeln


 

Nun die Schatten dunkeln,

Stern an Stern erwacht:

Welch ein Hauch der Sehnsucht

Flutet in der Nacht!

 

Durch das Meer der Träume

Steuert ohne Ruh',

Steuert meine Seele

Deiner Seele zu.

 

Die sich dir ergeben,

Nimm sie ganz dahin!

Ach, du weißt, dass nimmer

Ich mein eigen bin.

 


Ostermorgen


Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert' hoch im Blau verborgen
ein freudig Auferstehungslied.
Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
ihr grünen Halm' und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
die ihr im Winterschlafe säumt,
in dumpfen Lüften, dumpfen Schmerzen
ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
wie Jugendhauch, o lasst sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
und wie die Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
gebrochen an den Gräbern steht,
ihr trüben Augen, die vor Tränen
ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
ihr Grübler, die ihr fern verloren
traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen,
im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
jung wird das Alte fern und nah.
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte -
wacht auf! Der Ostertag ist da.

 


Trinkspruch

Stoßt an im Saft der besten Reben!

Stoßt an: Land Mecklenburg soll leben,

Land Mecklenburg mit Schwert und Pflug!

Die Perle gab es uns der Frauen

Und jenes Paar mit greisen Brauen,

Das unsres Ruhmes Schlachten schlug.

 

Schon wallt sie längst im Paradiese,

Die hohe Königin Luise,

Die Deutschlands starken Hort gebar,

Doch flammend steht's in tausend Herzen,

Wie sie zur Zeit der Schmach und Schmerzen

Der Engel ihres Volkes war.

 

Und wollt ihr nach den Helden fragen:

Vom Marschall Vorwärts lasst euch sagen,

Dem blanksten Schwert des Vaterlands;

Die Welt durchhallten seine Siege,

Doch nie zu Rostock seiner Wiege

 

Vergaß der Greis im Lorbeerkranz.

Ein Hüter wacht an Preußens Thron.

Das ist des Kriegsgotts Wagenlenker,

Das ist der kühne Schlachtendenker,

Der Schweiger Moltke, Parchims Sohn.

 

Drum stoßt im Saft der besten Reben,

Stoßt an: Land Mecklenburg soll leben,

Land Mecklenburg mit Schwert und Pflug!

Die Perle gab es uns der Frauen

Und jenes Paar mit greisen Brauen,

Das unsres Ruhmes Schlachten schlug.