Julius Hammer (1810-1862)

Herz, mein Herz


Herz, mein Herz, nicht in die Weite

in der Nähe wohnt das Glück!

Glaube, liebe, hoffe, leide

und kehr in dich selbst zurück.

 

Wüchsen über Nacht dir Flügel,

schneller als der Sonne Strahl,

trügst doch über Tal und Hügel

rastlos deiner Sehnsucht Qual.

 

Denn die Welt kann dir nicht bieten

das, wonach du heiß verlangst;

denn die Welt hat keinen Frieden,

hat nur Streit und Not und Angst.

 

Ewig wechselnd ist ihr Streben,

ewig wechselnd ist ihr Ziel; Wenn Zwei:

Was ihr heute Rast gegeben,

morgen ist’s der Winde Spiel.

 

 


Sommerfäden

Sommerfäden seh´ ich fliegen
Durch die lichten, warmen Räume
Und ans dunkle Laub der Bäume
Sich mit leisem Schimmer schmiegen.

Doch wie auch im sonnig blauen
Äther sich der Laubschmuck brüste,
Ist mir´s doch, als ob ich müßte
Immer nach den Fäden schauen.

Denn ich möchte sie vergleichen
Mit den ersten weißen Haaren,
Die vielleicht nach wen´gen Jahren
Mir auch durch die Locken schleichen.

 


Traum der Kinder

Stör' nicht den Traum der Kinder,
Wenn eine Lust sie herzt;
Ihr Weh schmerzt sie nicht minder,
Als dich das deine schmerzt.

Es trägt wohl mancher Alte,
Des Herz längst nicht mehr flammt,
Im Antlitz eine Falte,
Die aus der Kindheit stammt.

Leicht welkt die Blum', eh's Abend,
Weil achtlos du verwischt
Den Tropfen Tau, der labend
Am Morgen sie erfrischt.

 


Wenn Zwei

Wenn Zwei, die sich am nächsten stehn,
Die Hand sich scheidend fassen,
Sollst du vor ihrem Abschied gehn
Und sie sich selber lassen
Das heil'ge bittre Trennungsleid,
Wie könntest du es stören?
Die letzte bange Seligkeit
Soll ihnen ganz gehören!

Was sie in Tränen, Wort und Blick
Sich noch zu sagen eilen,
Das spricht ihr eigenstes Geschick,
Das kann kein Dritter teilen.
Wenn auch nur Liebe voll und rein
Dich zu verweilen triebe,
Ach, du begehst doch Raub allein
Am Heiligtum der Liebe.