Willkommen und Abschied

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

28.August, der Geburtstag Goethes.

Deswegen natürlich ein Gedicht von ihm hier im Blog. Es ist eines der Gedichte, die wir damals in der Schule besprachen  und lernten. Ich weiß heute nicht mehr, wie wir dieses Gedicht damals analysiert und interpretiert haben, aber damals wie heute fesselt mich die Sprache Goethes. Nur wenige Beispiele daraus:

"Der Abend wiegte schon die Erde"

"Die Winde schwangen leise Flügel"

"Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!"

Letzteres wünsch ich uns allen!

Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht:
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floss von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!


 

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