Maikatzen

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Bei der Suche nach möglichen Gedichten zum Mai, deren es ja in Hülle und Fülle gibt, stieß ich mal wieder auf das folgende Gedicht von Theodor Storm. Es hat zwar nur am Rand mit dem Frühlingsmonat zu tun, aber es sind halt Maikätzchen. Und da ich eine Katzennärrin bin, habe ich dieses Gedicht zum Gedicht der Woche gewählt.

Ja, die Menschlichkeit und Gutmütigkeit des Erzählers muss man schon anerkennen, schließlich wurden ja fünf  weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen vom Tod durch Ertränken gerettet. Wie könnte man auch!

Aber nun ist ein Jahr vorbei und aus den süßen Kätzchen wurde – wie sollte es anders sein-  eine große Katzenschar: Nicht 10 , nicht 20, nein, lesen  Sie nur nach! Es ist köstlich!

Ich wünsche Ihnen eine schöne Maiwoche!

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber - Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den Sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! - der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit!
Die lieben Kätzchen
Sie wuchsen auf und schritten binnen Kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und Nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
Ich aber pries mich selbst und meine Menschlichkeit.
Ein Jahr ist um und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitags ist's! - Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die alte gar - nein, es ist unaussprechlich.,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, jede von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch ! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon -
Oh, Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen!

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