Ludwig Thoma

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Er gilt als der bayerische Schriftsteller schlechthin – Ludwig Thoma, der heute vor 146 Jahren in Oberammergau als fünftes Kind eines Oberförsters geboren wurde.

Im Alter von sieben Jahren verliert er seinen Vater, und die Mutter muss die sieben Kinder alleine großziehen.

Ludwigs Schullaufbahn ist wechselhaft, er gilt als renitenter Schüler, der sich gegen Autoritäten wehrt. Diese Jugendzeit verarbeitet er später in den Lausbubengeschichten, die 1905 erscheinen. Nach dem Abitur beginnt er an der Forstakademie in Aschaffenburg das Forststudium, bricht es aber bald ab und studiert in München und Erlangen Jura.

Ab 1899 ist  er fester Mitarbeiter des Simplicissimus. 1903/04 erscheinen in dieser Zeitschrift allein 53 Beiträge Thomas, die sich durch beißenden Spott und Satire auszeichnen. Sein Leben lang kritisiert er die Moralvorstellungen und die Autorität von Kirche  und Staat.

1902 beginnt seine Freundschaft mit Ludwig Ganghofer, die ein Leben lang bestehen sollte.

Mit Hermann Hesse  gründet Ludwig Thoma 1907 gemeinsam die Zeitschrift März.

Der erste der insgesamt 39 Filserbriefe erscheint 1908 im Simplicissimus .

1911 kommt es zur Trennung von seiner Frau, einer philippinisch-schweizerischen Tänzerin. Im gleichen Jahr bringt Ludwig Thoma die Geschichte vom Münchner im Himmel heraus. In den nächsten Jahren entstehen viele Erzählungen, u.a.  Heilige Nacht.

Am 26. August 1921 stirbt Ludwig Thoma in Tegernsee mit 54 Jahren an Magenkrebs. Sein Grab befindet sich dort auf dem Friedhof von St. Laurentius neben dem seines Freundes Ludwig Ganghofer.

Dass Ludwig Thoma auch Gedichte schrieb, ist etwas in Vergessenheit geraten. Das mag u.a. auch daran liegen, dass er viele Gedichte, die er im Simplicissimus veröffentlichte unter dem Pseudonym Peter Schlemihl schrieb.

Hier ein Gedicht von ihm, was würde er heute sagen?

Neue Zeit

War es früher endlich Feierabend,
Ging man, gründlich von der Arbeit satt
Und behaglich seine Ruhe habend,
Auf dem Bürgersteige durch die Stadt.

Vom Geschäftlichen sich abzulenken,
Nahm man sich was Allgemeines vor,
Oder auch begann man nachzudenken
Über nichts, und sah dabei empor.

Frei im Äther ließ der Blick sich schweifen,
Nirgends stieß er auf ein Hindernis,
Wenn nicht etwa im Vorüberstreifen
Eine Schwalbe hoch herunterschiß.

Aber jetzt, wo eben der Propeller
Durch die Abendwolke wütend saust,
Geht man ängstlich und aus Vorsicht schneller,
Weil es einen unwillkürlich graust.

Aus der Welt entfloh uns das Behagen,
Das Idyll ist im Benzin ertränkt;
Oben Flieger, unten Autowagen!
Wer die Ruhe liebt, ist tief gekränkt.

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