Kinderspiele

von Monika Spatz (Kommentare: 1)

Aus heiterem Himmel kam  mir heute ein Gedicht von Heinrich Heine in den Sinn, das ich jahrelang sehr geliebt habe, das aber irgendwann mal aus dem Fokus verschwunden war. Nun habe ich es wieder entdeckt.

Es ist das folgende Gedicht, das Heinrich Heine für seine Schwester Charlotte um 1823 schrieb:  Erinnerungen an ihre Kindheit.

Mein Kind, wir waren Kinder,
Zwei Kinder, klein und froh;
Wir krochen ins Hühnerhäuschen,
Versteckten uns unter das Stroh.

Wir krähten wie die Hähne,
Und kamen Leute vorbei -
Kikereküh! sie glaubten,
Es wäre Hahnengeschrei.

Die Kisten auf unserem Hofe
Die tapezierten wir aus,
Und wohnten drin beisammen,
Und machten ein vornehmes Haus.

Des Nachbars alte Katze
Kam öfters zum Besuch;
Wir machten ihr Bückling und Knickse
Und Komplimente genug.

Wir haben nach ihrem Befinden
Besorglich und freundlich gefragt;
Wir haben seitdem dasselbe
Mancher alten Katze gesagt.

Wir saßen auch oft und sprachen
Vernünftig, wie alte Leut,
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit;

Wie Lieb und Treu und Glauben
Verschwunden aus der Welt,
Und wie so teuer der Kaffee,
Und wie so rar das Geld! ---

Vorbei sind die Kinderspiele,
Und Alles rollt vorbei - 
Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb und Treu.

Nicht besser könnte man die Spiele der Kinder beschreiben, ihre Unbekümmertheit und  das Nachahmen der Welt der Erwachsenen. Unversehens tauchen beim Lesen dieses Gedichtes eigene Kindheitserinnerungen wieder auf.

Es gibt mehrere Vertonungen dieses Gedichtes. Mir gefällt besonders die Version, die Ester Ofarim 1972 aufnahm. Hier ist sie selbst vor 40 Jahren.

 

 

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Kommentar von Karl-Heinz Augustynak |

Ein wunderbares Lied, das von Ester Ofarim gesungen jede Seele berührt.