Eine Entdeckung

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vor ein paar Tagen hielt ich durch Zufall den Gedichtband einer jungen Lyrikerin in der Hand und war hingerissen von ihren Gedichten. Ihr Name:  Selma Meerbaum-Eisinger, eine junge Jüdin, die 1942 mit 18 Jahren im Arbeitslager Michailowka in der Ukraine an Flecktyphus starb.

Wie Rose Ausländer und Paul Celan, mit dem sie über den Urgroßvater verwandt ist,  stammte sie aus Czernowitz Bukowina), wo sie am 15. August 1924 geboren wurde.

Mit 15 Jahren begann sie Gedichte zu schreiben, insgesamt wurden es 57.  Die meisten davon waren ihrer  großen Liebe, dem ein Jahr älteren Lejser Fichman gewidmet.

Das letzte Gedicht in dem Album schrieb sie am 23.12.1941

Tragik

Das ist das Schwerste: sich zu verschenken
und wissen, daß man überflüssig ist,
sich ganz zu geben und zu denken,
daß man wie Rauch ins Nichts verfließt.

Darunter stand mit rotem Stift.

„Ich habe keine Zeit gehabt, zu Ende zu schreiben".

Selma Meerbaum-Eisinger starb am 16. Dezember 1942.

Ihr handschriftlich verfasstes, mit Bleistift geschriebenes Album gelangte über eine Freundin während des Krieges nach Israel.

Erst 1980 aber erschien ihr  Gedichtband unter dem Titel „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“, herausgegeben durch den Journalisten und Exil-Forscher Jürgen Serke. Er war von Hilde Domin auf die Gedichte aufmerksam gemacht worden war.

Zurück

Einen Kommentar schreiben