Altweibersommer

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Nächste Woche soll uns ja der September noch einmal schöne Tage bescheren, den sogenannten Altweibersommer.

Doch hat dieser Begriff nichts mit alten Frauen zu tun, das Wort „weiben“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutete das Knüpfen von Spinnweben. Viele kleine Spinnen lassen sich von lauen Winden an ihren Spinnfäden durch die Luft treiben. Wenn dann in den Septembernächten die Temperatur stark abkühlt, kann man in der Morgensonne die vom Tau benetzten Spinnweben deutlich erkennen. Die glitzernden Fäden erinnern an die langen, silbergrauen Haare älterer Frauen, deswegen spricht der Volksmund von Altweibersommer.

Christliche Legenden berichten, dass diese Silberfäden, die zu dieser Zeit durch die Luft wehen, aus dem Mantel Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt trug.

Andernorts erklärt man die silbrigen Fäden mit dem Werk von Elfen oder Nornen. Diese nordischen Göttinnen spinnen den Schicksalsfaden eines jeden Menschen bis zu seinem Tode.

Zu diesem Altweibersommer passt gut folgendes Gedicht von Wilhelm Busch.

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

 

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