Gedicht der Woche

13.August 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein, 
Tiefgrüne feuchte Reben
gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
im Garten jagen spielend
die Buben den Mädchen nach.

Es knistert in den Büschen,
es zieht durch die helle Luft
das Klingen fallender Tropfen
Der Sommerregenduft.

Ada Christen

6.August 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Die Liebe war nicht geringe

Die Liebe war nicht geringe.
Sie wurden ordentlich blass
Sie sagten sich tausend Dinge
Und wussten noch immer was.

Sie mussten sich lange quälen,
Doch schließlich kam's dazu,
Dass sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh.

Bei eines Strumpfes Bereitung
Sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Kölnischen Zeitung
Und teilt ihr das Nötige mit.

Wilhem Busch


30.Juli 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Der Sommer

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben


23.Juli 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Glaube nur

Wenn im Sommer der rote Mohn
Wieder glüht im gelben Korn,
Wenn des Finken süßer Ton
Wieder lockt im Hagedorn,
Wenn es wieder weit und breit
Feierklar und fruchtstill ist,
Dann erfüllt sich uns die Zeit,
Die mit vollen Maßen misst,
Dann verebbt, was uns bedroht,
Dann verweht, was uns bedrückt,
Über dem Schlangenkopf der Not
Ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur! Es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
Werden wir in Rosen gehn,
Und die Sonne lacht uns Glück.

Otto Bierbaum

16.Juli 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Das Kornfeld

Was ist schöner als ein Feld, 
wenn die Halme, all die schlanken, 
leise schwanken 
und ein Halm den anderen hält? 

Wenn im Korn die Blumen blühn, 
leuchtend rot und blau dazwischen, 
und sich mischen 
lieblich in das sanfte Grün? 

Wenn es flüsternd wogt und wallt, 
Lerchen sich daraus erheben, 
drüber schweben, 
und ihr Lied herniederschallt? 

Dann den schmalen Pfad zu gehen 
Durch das Korn, welch eine Wonne! 
Nur die Sonne, 
nur die Lerche kann uns sehn.

Johannes Trojan

9. Juli 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Mittagsstille

Am Waldsaum lieg ich im Stillen,
rings tiefe Mittagsruh,
nur Lerchen hör ich und Grillen
und summende Käfer dazu.

Die Falter flattern im Kreise,
kein Blatt rührt sich am Baum,
die Gräser beugen sich leise;
halb wach ich, halb lieg ich im Traum.

Martin Greif

2.Juli 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne, 
Am Fenster ich einsam stand 
Und hörte aus weiter Ferne 
Ein Posthorn im stillen Land. 
Das Herz mir im Leib entbrannte, 
Da hab' ich mir heimlich gedacht: 
Ach, wer da mitreisen könnte 
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen 
Vorüber am Bergeshang, 
Ich hörte im Wandern sie singen 
Die stille Gegend entlang: 
Von schwindelnden Felsenschlüften, 
Wo die Wälder rauschen so sacht, 
Von Quellen, die von den Klüften 
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorgebildern, 
Von Gärten, die überm Gestein 
In dämmernden Lauben verwildern, 
Palästen im Mondenschein, 
Wo die Mädchen am Fenster lauschen, 
Wann der Lauten Klang erwacht 
Und die Brunnen verschlafen rauschen 
In der prächtigen Sommernacht.

Joseph von Eichendorff

25.Juni 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Weltanschauung

Der Sommer färbt die Äpfel rot,
die Trauben und die Beeren.
Der Mohn in Farbenflammen loht,
sein Leuchten zu entzünden droht
die strahlend gelben Ähren.

Nur Farbenpracht, wohin man schaut,
wohin man hört, ein Klingen.
Der weite Sommerhimmel blaut,
in lichten Höhen jubelnd laut
die kleinen Lerchen singen.

Der Maulwurf in der Erde gräbt,
weiß nichts von diesen Dingen.
Er hat das Schöne nie erlebt.
Der Finsterling nach unten strebt
und wühlt nach Engerlingen.

Es findet jeder, wie er kann,
auf seine Art Erbauung.
Schaut man die Welt von oben an –
von unten – so hat jedermann
die beste Weltanschauung.

Fred Endrikat

 
 

18.Juni 2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz 

11.6.2017

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Feldeinsamkeit

Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; -
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ewge Räume.

Hermann Allmers