Gedicht der Woche

23.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Das große Lalula
 
Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro - prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo...
Lalu lalu lalu lalu la!
 
Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lala la!
 
Simarat kos malzlpempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!
 
Christian Morgenstern

16.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Katzen

Sie liegen irgendwo in den gewohnten Ecken 
undscheinen zu sinnen.
Die Augen schimmern grün.
Man darf sie necken, 
sie lassen sich gewinnen.
Und alsdann 
legen sie sich auf den Bauch und runden
den Leib, versuchen mit Schnauze und Pfoten 
deine Hände zu greifen, 
und ihre Augen glühn,
die grünblaugraugelbroten ...
Irgendwann 
erheben sie sich und beginnen 
eine kleine Vergnügungsreise durchs Haus.
Schließlich sehen sie zu einem offenen Fenster hinaus, 
sie strecken 
die Schnauze in die Luft und lassen die Augen schweifen,
prüfen: kann diese Witterung 
einem Katzentier munden?
Und schon sind sie mit wahrhaft musikalischem Sprung 
in der blauen Luft verschwunden.


Am Abend sind sie plötzlich wieder da.
Man findet sie wie seidige, o so 
geschmeidige Damen, die man vor Stunden 
glänzend und stark aus der Tür treten sah,
mit ausgestreckten Beinen 
weich zerknittert irgendwo,
wo sie in Erinnerung versunken scheinen.

René Schickele


9.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Der Vollmond, der alte Schatzgräber

Der Vollmond, der alte Schatzgräber, 
Kommt über das hohle Feld, 
Er kommt zum verlorenen Haus, 
Wo er tastend Umschau hält.

Hebt Bilder aus trüben Rahmen, 
Stiehlt sich entlang der Wand, 
Lehnt an den weißen Betten 
Und liest in der schlafenden Hand.

Die feierlich atmenden Lippen 
Sprechen fromm ihr Geheimstes aus, 
Unirdisch brennen die Stuben, 
Und von Schätzen leuchtet das Haus.

Max Dauthendey


2.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

An die Entfernte

Diese Rose pflück ich hier,
In der fremden Ferne;
Liebes Mädchen, dir, ach dir
Brächt ich sie so gerne!

Doch bis ich zu dir mag ziehn,
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
Denn die Rosen eilen.

Nie soll weiter sich ins Land
Lieb von Liebe wagen,
als sich blühend in der Hand
lässt die Rose tragen;

Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste
Oder als ihr süßer Schall
wandert mit dem Weste.

Nikolaus Lenau

26.Januar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Sei dennoch unverzagt!

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren! 
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid, 
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid, 
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren; 
nimm dein Verhängnis an. Lass alles unbereut. 
Tu, was getan muss sein, und eh man dir's gebeut. 
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke 
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an: 
dies alles ist in dir. Lass deinen eitlen Wahn,

und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke. 
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann, 
dem ist die weite Welt und alles untertan.

Paul Fleming

 

19.Januar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Hab Sonne Im Herzen

Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit.
Ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag,
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag,
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut lässt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
 
Cäsar Flaischlen
 
 

12.Januar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Wiegenlied für meinen Jungen

Schlaf, mein Küken; Racker, schlafe!
Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,
bläkt ein großes, mäkt ein kleines,
und das kleine, das ist meines!
Bengel, Bengel, brülle nicht,
du verdammter Strampelwicht.

Still, mein süßes Engelsfüllen:
morgen regnet's Zuckerpillen,
übermorgen blanke Dreier,
nächste Woche goldne Eier,
und der liebe Gott, der lacht,
dass der ganze Himmel kracht.

Und du kommst und nimmst die Spenden,
säst sie aus mit Sonntagshänden,
und die Erde blüht von Farben,
und die Menschen tun's in Garben -
Herrr, den Bengel kümmert nischt,
was man auch für Lügen drischt!

Warte nur, du Satansrachen:
heute Nacht, du kleiner Drachen,
durch den roten Höllenbogen
kommt ein Schmetterling geflogen,
huscht dir auf die Nase, huh,
deckt dir beide Augen zu -

deckt die Flügel sacht zusammen,
daß du träumst von stillen Flammen,
von zwei Flammen, die sich fanden,
Hölle Himmel still verbanden - -
So, nun schläft er; es gelang;
Himmel Hölle, Gott sei Dank!

 Richard Dehmel
 
 

29.Dezember 2019

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Zum neuen Jahr

Wie heimlicher Weise 
Ein Engelein leise 
Mit rosigen Füßen 
Die Erde betritt, 
So nahte der Morgen. 
Jauchzt ihm, ihr Frommen, 
Ein heilig Willkommen, 
Ein heilig Willkommen! 
Herz, jauchze du mit! 

In Ihm sei's begonnen, 
Der Monde und Sonnen 
An blauen Gezelten 
Des Himmels bewegt. 
Du, Vater, du rate! 
Lenke du und wende! 
Herr, dir in die Hände 
Sei Anfang und Ende, 
Sei alles gelegt!

Eduard Mörike

22.Dezember 2019

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl´s ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

15.Dezember 2019

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Bäume leuchtend, Bäume blendend

Bäume leuchtend, Bäume blendend, 
überall das Süße spendend, 
in dem Glanze sich bewegend, 
Alt und junges Herz erregend. 
Solch ein Fest ist uns bescheret, 
Mancher Gaben Schmuck verehret; 
staunend schauen wir auf und nieder, 
Hin und her und immer wieder. 
Aber Fürst, wenn dir`s begegnet 
Und ein Abend dich so segnet, 
daß als Lichter, daß als Flammen 
Vor dir glänzen all zusammen. 
Alles, was du ausgerichtet, 
Alle, die du dir verpflichtet: 
Mit erhöhten Geistesblicken 
Fühltest herrliches Entzücken.

J.W.v. Goethe