Gedicht der Woche

Es muss doch Frühling werden

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Dieses Jahr will uns der Winter partout nicht aus sein Fängen lassen. So trübe wie heuer war der Winter schon 40 Jahre nicht mehr. Und am 24.März ist es schneidend kalt!

Doch die Sonne zeigt sich, blauer Himmel ist zu sehen und auch wenn der Ostwind pfeift, Hoffnung auf den Frühling besteht immer:

Da wusste auch Emanuel Geibel schon vor 180 Jahren. Deswegen sein Gedicht Hoffnung heute als Gedicht der Woche.

Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muss doch Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen.

Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möchte vor Lust vergehen.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und lässt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren.

Drum still! Und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden;
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll' auf Erden,
Nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muss doch Frühling werden.

Geben wir die Hoffnung auf den Frühling nicht auf. Zur Unterstützung hier einige Frühlingsgedichte:

Ich wünsche Ihnen eine schöne letzte Märzwoche und den FRÜHLING!

Schläft ein Lied ...

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort, 
Und die Welt hebt an zu singen, 
Triffst du nur das Zauberwort.

Nicht ohne Grund steht dieses Gedicht auf der Startseite von Gedichtsuche. Es ist mir neben Mondnacht eines der liebsten und begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Sein Verfasser gilt als der Romantiker schlechthin – Joseph von Eichendorff. Obwohl er eher die Spätphase der Romantik geprägt hat, gilt Eichendorff als der Inbegriff des romantischen Dichters.

In seinen Gedichten herrschen die literarischen Motive der Romantik vor: Aufbruch, Reisen, Sehnsucht, Mondlicht, Hörnerklang und Waldesrauschen. Sie sprechen auch heute noch die Menschen an.

Viele seiner Gedichte wurden vertont und gehören zu den bekanntesten deutschen Volksliedern z.B. „In einem kühlen Grunde“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ oder „Oh Täler weit, oh Höhen Eichendorff zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.

Doch Eichendorff verfasste auch Romane und Erzählungen. Seine Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts“ wurde 1826 veröffentlicht und gilt als Höhepunkt der Spätromantik.

Heute, am 10.März 1788 geboren, jährt sich Eichendorffs Geburtstag zum 225. Mal. Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde als zweites Kind des preußischen Offiziers Freiherr Adolf Theodor Rudolf von Eichendorff und dessen Frau Karoline auf Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft trat  Eichendorff 1813 ins preußische Heer ein und nahm am Befreiungskrieg gegen Napoleon teil. Danach wurde er preußischer Beamter in Breslau, später in Danzig, in Königsberg und zuletzt in Berlin. 1815 heiratete er Luise von Larisch, die ihm vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter schenkte. Am 26.November 1857 starb Eichendorff 69-jährig in Neiße in Oberschlesien.

Der Werwolf

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vor einigen Tagen schickte mir eine liebe Bekannte, die mit mir die Liebe zu Gedichten teilt, eine gelesene Fassung des Gedichts „Der Werwolf“ von Christian Morgenstern.

Wie oft habe ich es schon gelesen und jedes Mal neu mich wieder an Morgensterns Spiel mit der Sprache erfreut! Auch diesmal erging es mir nicht anders. Immer wieder kann ich es hören oder lesen und genießen!

Für alle, die es nicht mehr im Kopf haben: Hier ist es:

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind, und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!  

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:  

"Der Werwolf", - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs" Genitiv sodann,
"dem Wemwolf" Dativ, wie man's nennt,
"den Wenwolf" - damit hat's ein End.'  

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!  

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.  

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Wer noch mehr von Morgensterns Sprachspielgedichten lesen möchte, wird hier fündig:

Der Lattenzaun

Das ästhetische Wiesel

Viel Spaß beim Lesen oder Wiederentdecken!

Und seh die Lande um den Main

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Das ist eine Zeile aus dem Frankenlied, das Viktor von Scheffel schrieb. Er stammt allerdings nicht aus Franken sondern wurde am 16.Februar 1826 in Karlsruhe geboren, wuchs dort auf und starb auch dort, nachdem er ab 1859 wieder dort lebte. 

Er hielt sich im Laufe seines Lebens jedoch immer wieder mal in der fränkischen Schweiz auf, in Banz, Gößweinstein und Staffelstein.

Victor von Scheffel war der Älteste  von drei Geschwistern und studierte auf Wunsch des Vaters von 1843 bis 1847 Rechtswissenschaften an den Universitäten in München, Heidelberg und Berlin. Zusätzlich belegte er germanische Philologie und Literatur.

1849 wurde er in Heidelberg zum Doktor der Rechte promoviert.

Da sein Familie  sich in guten finanziellen Verhältnissen stand, konnte Scheffel es sich leisten, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Er merkte bald, dass ihm Schreiben mehr lag als Landschaftsmalerei und veröffentichte 1854 sein  Erstlingswerk  Der Trompeter von Säckingen.

Er gilt als frischer, humorvoller Dichter.

Seine 1864 geschlossene  Ehe war nicht glücklich und bei Geburt des Sohnes Victor 1867 lebten die Eltern schon getrennt. Der Sohn wuchs ab 1869 beim Vater auf,  der ihn von einem Spielplatz nahe der Wohnung der Mutter in München entführt hatte.

Aus Anlass seines 50. Geburtstages wurde Scheffel durch den Großherzog von Baden in den Adelstand erhoben.

Die letzten Jahre seines Lebens lebte Scheffel erkrankt an einer fortschreitenden Gehirnerkrankung in der Nähe von Radolfzell. Er starb am 9. April 1886 in Karlsruhe und wurde auf dem dortigen Hauptfriedhof beigesetzt.

Eine Entdeckung

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vor ein paar Tagen hielt ich durch Zufall den Gedichtband einer jungen Lyrikerin in der Hand und war hingerissen von ihren Gedichten. Ihr Name:  Selma Meerbaum-Eisinger, eine junge Jüdin, die 1942 mit 18 Jahren im Arbeitslager Michailowka in der Ukraine an Flecktyphus starb.

Wie Rose Ausländer und Paul Celan, mit dem sie über den Urgroßvater verwandt ist,  stammte sie aus Czernowitz Bukowina), wo sie am 15. August 1924 geboren wurde.

Mit 15 Jahren begann sie Gedichte zu schreiben, insgesamt wurden es 57.  Die meisten davon waren ihrer  großen Liebe, dem ein Jahr älteren Lejser Fichman gewidmet.

Das letzte Gedicht in dem Album schrieb sie am 23.12.1941

Tragik

Das ist das Schwerste: sich zu verschenken
und wissen, daß man überflüssig ist,
sich ganz zu geben und zu denken,
daß man wie Rauch ins Nichts verfließt.

Darunter stand mit rotem Stift.

„Ich habe keine Zeit gehabt, zu Ende zu schreiben".

Selma Meerbaum-Eisinger starb am 16. Dezember 1942.

Ihr handschriftlich verfasstes, mit Bleistift geschriebenes Album gelangte über eine Freundin während des Krieges nach Israel.

Erst 1980 aber erschien ihr  Gedichtband unter dem Titel „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“, herausgegeben durch den Journalisten und Exil-Forscher Jürgen Serke. Er war von Hilde Domin auf die Gedichte aufmerksam gemacht worden war.

Ludwig Thoma

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Er gilt als der bayerische Schriftsteller schlechthin – Ludwig Thoma, der heute vor 146 Jahren in Oberammergau als fünftes Kind eines Oberförsters geboren wurde.

Im Alter von sieben Jahren verliert er seinen Vater, und die Mutter muss die sieben Kinder alleine großziehen.

Ludwigs Schullaufbahn ist wechselhaft, er gilt als renitenter Schüler, der sich gegen Autoritäten wehrt. Diese Jugendzeit verarbeitet er später in den Lausbubengeschichten, die 1905 erscheinen. Nach dem Abitur beginnt er an der Forstakademie in Aschaffenburg das Forststudium, bricht es aber bald ab und studiert in München und Erlangen Jura.

Ab 1899 ist  er fester Mitarbeiter des Simplicissimus. 1903/04 erscheinen in dieser Zeitschrift allein 53 Beiträge Thomas, die sich durch beißenden Spott und Satire auszeichnen. Sein Leben lang kritisiert er die Moralvorstellungen und die Autorität von Kirche  und Staat.

1902 beginnt seine Freundschaft mit Ludwig Ganghofer, die ein Leben lang bestehen sollte.

Mit Hermann Hesse  gründet Ludwig Thoma 1907 gemeinsam die Zeitschrift März.

Der erste der insgesamt 39 Filserbriefe erscheint 1908 im Simplicissimus .

1911 kommt es zur Trennung von seiner Frau, einer philippinisch-schweizerischen Tänzerin. Im gleichen Jahr bringt Ludwig Thoma die Geschichte vom Münchner im Himmel heraus. In den nächsten Jahren entstehen viele Erzählungen, u.a.  Heilige Nacht.

Am 26. August 1921 stirbt Ludwig Thoma in Tegernsee mit 54 Jahren an Magenkrebs. Sein Grab befindet sich dort auf dem Friedhof von St. Laurentius neben dem seines Freundes Ludwig Ganghofer.

Dass Ludwig Thoma auch Gedichte schrieb, ist etwas in Vergessenheit geraten. Das mag u.a. auch daran liegen, dass er viele Gedichte, die er im Simplicissimus veröffentlichte unter dem Pseudonym Peter Schlemihl schrieb.

Hier ein Gedicht von ihm, was würde er heute sagen?

Neue Zeit

War es früher endlich Feierabend,
Ging man, gründlich von der Arbeit satt
Und behaglich seine Ruhe habend,
Auf dem Bürgersteige durch die Stadt.

Vom Geschäftlichen sich abzulenken,
Nahm man sich was Allgemeines vor,
Oder auch begann man nachzudenken
Über nichts, und sah dabei empor.

Frei im Äther ließ der Blick sich schweifen,
Nirgends stieß er auf ein Hindernis,
Wenn nicht etwa im Vorüberstreifen
Eine Schwalbe hoch herunterschiß.

Aber jetzt, wo eben der Propeller
Durch die Abendwolke wütend saust,
Geht man ängstlich und aus Vorsicht schneller,
Weil es einen unwillkürlich graust.

Aus der Welt entfloh uns das Behagen,
Das Idyll ist im Benzin ertränkt;
Oben Flieger, unten Autowagen!
Wer die Ruhe liebt, ist tief gekränkt.

Wilhelm Busch

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

„Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen.“

Dieser Spruch stammt wie so viele, die in unseren Sprachgebrauch eingegangen sind, von Wilhelm Busch. Sein Todestag jährt sich heute zum 105.Mal.

Geboren wurde Wilhelm Busch bzw. Heinrich Christian Wilhelm Busch wie er mit vollem Namen hieß am 15.April 1832 in Wiedensahl als erstes von sieben Kindern.

Von 1841 bis 1847 lebte er bei seinem Onkel,der ihn auch privat unterrichtete,  zunächst in Ebergötzen bei Göttingen, dann in Lüthorst am Solling,

1847 – mit 15 Jahren! -  begann Wilhelm Busch auf Wunsch des Vaters mit dem Maschinenbau-Studium in Hannover, brach es aber vier Jahre später  ab. Er studierte nun an den Kunstakademien in Düsseldorf, Antwerpen und in München.

Dort erkannte der Maler und Verleger der humoristischen Münchener Zeitschrift "Fliegende Blätter", Caspar Braun, 1859 Buschs Talent als satirischer Zeichner. Wilhelm Busch veröffentlichte darin in den folgenden Jahren rund 100 Beiträge.

1865 wird die Bildergeschichte "Max und Moritz veröffentlicht, mit der Buschs Durchbruch gelingt. Die Rechte verkaufte Busch allerdings an seinen Verleger für 1700 Goldmark.

Busch verstand es meisterhaft, Charaktere und Situationen zu karikieren. Es gelang ihm überaus treffend, mit knappen Texten seine kritische Haltung gegenüber der verlogenen Moral auszudrücken.

1893 veröffentlicht er seine Autobiographie "Von mir über mich"

Ab dem Jahre 1898 wohnt Wilhelm Busch in Mechtshausen am Harz, wo er am 9.Januar 1908 mit 75 Jahren stirbt.

Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, was seinen Lebenslauf angeht:

 

Lebenslauf

Mein Lebenslauf ist bald erzählt. -
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis dass ich sichtbar ward geboren.

Was aber nun? - Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,

Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich musst' ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.

 O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.

Gottfried August Bürger

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Geboren wurde Gottfried August Bürger am 31.Dezember 1747 in einem kleinen Dorf im Ostharz, in Molmerswende bei Quedlinburg, als zweites von drei Kindern eines protestantischen Pfarrers. Zwar brachte ihm sein Vater Lesen und Schreiben bei, kümmerte sich aber sonst wenig um seine Ausbildung. Sein Großvater mütterlicherseits sorgte dafür, dass er ab 1760 auf die Stadtschule von Aschersleben gehen konnte. Im Anschluss daran studierte Bürger von 1764 bis 1767 in Halle auf Druck seines Großvaters Theologie. 1768 begann er in Göttingen mit dem Jurastudium, das er 1772 abschloss.

Danach nahm er eine Stelle als Gerichtshalter zu Alten-Gleichen mit Sitz in Gelliehausen bei Göttingen an, die er 12 Jahre innehatte. 1773 erschien seine berühmte Ballade Lenore“.
Im Jahr darauf heiratete Bürger Dorette Leonhardt, verliebte sich aber kurz darauf in deren jüngere Schwester Auguste (Molly). Eine Dreierbeziehung begann. Nach zehn Ehejahren starb Dorette bei der Geburt einer Tochter. Nach der vorgeschriebenen Trauerzeit heiratete Bürger im folgenden Jahr endlich Molly. Doch auch sie starb bei der Geburt einer Tochter nach erst siebenmonatiger Ehe.

1784 siedelte er nach Göttingen über, wo er mit Unterstützung u.a. durch Georg Christoph Lichtenberg Privatdozent an der Universität wurde. Dort hielt Gottfried August Bürger bis zu seinem Tode Vorlesungen und Übungen über Ästhetik, Stilistik, deutsche Sprache und Philosophie. 1787 erhielt er die Ehrendoktorwürde, zwei Jahre später 1789 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, bekam aber keine feste Anstellung und somit kein festes Gehalt.

1786 veröffentlichte Bürger die von ihm überarbeiteten Lügengeschichten des Freiherrn von Münchhausen. Damit hatte er zwar großen Erfolg, auch weltweit, doch brachten sie ihm kaum Einkünfte.

Die dritte Ehe, die Bürger 1790 mit der 23 Jahre jüngeren Elise Hahn schloss, war ausgesprochen unglücklich und wurde zwei Jahre später geschieden.

Schließlich erkrankte Bürger an Schwindsucht und starb am 8. Juni 1794 einsam und gesellschaftlich isoliert in einem Gartenhäuschen in Göttingen. Er wurde auf dem Bartholomäusfriedhof in Göttingen beigesetzt.

König Ludwig I. von Bayern ehrte Gottfried August Bürger mit einer Büste in der Walhalla.

Die Schatzgräber

Ein Winzer, der am Tode lag,
rief seine Kinder an und sprach:
In unserm Weinberg liegt ein Schatz;
grabt nur danach ! - An welchem Platz ?
Schrie alles laut den Vater an. -
Grabt nur ! - O weh ! Da starb der Mann.

Kaum war der Alte beigeschafft,
da grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaten ward
der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
man warf die Erde gar durchs Sieb
Und zog die Harken kreuz und quer
nach jedem Steinchen hin und her.
Allein, da ward kein Schatz verspürt,
und jeder fühlt sich angeführt.

Doch kaum erschien das nächste Jahr,
so nahm man mit Erstaunen wahr,
dass jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
des Schatzes immer mehr heraus.


Weihnachten vor 100 Jahren

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Zu aller Zeiten freuten sich vor allem die Kinder auf Weihnachten, auf die Geschenke und Spielsachen. Doch vor hundert Jahren lagen meist praktische Dinge unter dem Weihnachtsbaum, wie Schuhe, Socken und Kleidung. Spielsachen waren eher selten und deswegen heiß begehrt und wie ein Schatz gehütet.  Dazu passt das Gedicht von Heinrich Seidel, das beschreibt wie sehr ein Mädchen seine geliebt Puppe  vermisst, die vom vielen Liebgehabt werden schon etwas mitgenommen ist. Aber vielleicht bringt tatsächlich der Weihnachtsmann die geheilte Puppe zurück?

Die verschwundene Puppe

Was war das heute für ein Schreck
denkt Euch- Elisabeth ist weg!
Die schöne große Puppe.
Gleich nach der Morgensuppe
Da wollt ich eilig zu ihr gehen,
oh weh, da war sie nicht zu sehn!

Ich hatte in den Wagen
doch selber sie getragen
und ihr das Kissen fein geklopft
und ihr die Decke eingestopft.
Nun war das schöne Bettchen leer-
Da schrie ich laut und weinte sehr.

So schön und heil war sie ja noch,
sie hatte nur im Kopf ein Loch.
Auch fehlte die Perücke
ein Arm ging ihr in Stücke,
die Nase war zerschmettert
weil sie so gerne klettert,
dabei vom Schrank gefallen war-
sonst war sie heil noch
ganz und gar!

Ach niemand konnt mir sagen
Wer sie davon getragen.
Bei Onkel Heinrich fragt ich an,
der dachte nach und sagte dann:
"Vielleicht hat sie der Weihnachtsmann
und heilt sie in der Klinik aus
In seinem großen Puppenkrankenhaus.
Dort kriegt sie viel Rhabarber ein
Und wird dann wieder hübsch und fein.

Vielleicht kommt sie ja wieder
Und hat dann heile Glieder.
Ein neues Seidenkleid dazu
mit Spitze
und feuerrote Schuh
und Locken wie von reinem Gold
und ist so schön und ist so hold,
dass du sie gar nicht wieder kennst
und sie nur Frau Prinzessin nennst!? "

Ach, wenn das wär,
Ach, wenn das wär,
dann freut ich mich
ja schrecklich sehr
und tischhoch wollt ich springen
und wollt ein Loblied singen
dem lieben, guten Weihnachtsmann,
der alles hat und alles kann.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Festtage!

Luise Hensel

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Nicht vielen Menschen dürfte der Name Luise Hensel etwas sagen. Doch viele kennen ein Werk von ihr. Ich meine das weit bekannte und verbreitete (Kinder)Gebet: „ Müde bin ich geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu.“

Ihr Todestag jährt sich am 18. Dezember.

Luise Hensel wurde am 30.März 1798 in Linum in Brandenburg als Tochter einer Pfarrersfamilie geboren. Nach dem Tode des Vaters übersiedelte die Familie nach Berlin. Dort lernte sie die Dichter Wilhelm Müller und Clemens Brentano kennen, die sich beide in sie verliebten und um sie warben. Doch keiner war erfolgreich. Müller war Luise wohl nicht zuverlässig genug, während ihre Mutter Clemens Brentano ablehnte. Er war 20 Jahre älter und schon zweimal verheiratet gewesen. Doch blieben Brentano und Hensel zeitlebens gut befreundet. So übertrug Brentano Luise Hensel die Aufgabe, seinen literarischen Nachlass zu sichten und sein Werk nach seinem Tode an die Öffentlichkeit zu bringen.

1820 konvertierte Luise Hensel zum Katholizismus und gelobte Jungfräulichkeit. Sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Erzieherin, Gesellschafterin und Lehrerin. Die meisten ihrer Gedichte entstanden in der Zeit zwischen 1815 und 1820 und sind von Frömmigkeit geprägt. So schrieb sie das obenerwähnte Gebet 1817 mit 18 Jahren.

Luise Hensel starb am 18.Dezember 1876 in Paderborn.

Hier das Gebet:

Müde bin ich, geh zur Ruh’,
schließe beide Äuglein zu:
Vater, lass die Augen dein
über meinem Bette sein.

Hab’ ich Unrecht heut getan,
sieh es, lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad’ und Jesu Blut
macht ja allen Schaden gut.

Alle, die mir sind verwandt,
Gott, lass ruhn in deiner Hand!
Alle Menschen, groß und klein,
sollen dir befohlen sein.

Kranken Herzen sende Ruh’,
nasse Augen schließe zu!
Lass den Mond am Himmel stehn
und die stille Welt besehn!