Gedicht der Woche

Welttag des Buches

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Den heutigen Welttag des Buches möchte ich zum Anlass nehmen,  um einmal einige meiner liebsten Gedichtbände vorzustellen.

Eines der wichtigsten Bücher für mich ist ein Kinderbuch, geschrieben von James Krüss: „Mein Urgroßvater und ich“. Der  10-jährge Boy wohnt auf Helgoland und verbringt dort viele Stunden mit seinem Urgroßvater beim Dichten. Aus diesem Buch stammen die wunderbaren ABC-Gedichte von James Krüss, z. B.  Das Männer-ABC und Das Frauen-ABC. Auch so herrlich unsinnige Gedichte wie Das Königreich von Nirgendwo. Dieses Buch hat mich schon als Kind in seinen Bann gezogen, und hat auch heute noch nichts von seinem Reiz für mich verloren. Leider kann ich keine Gedichte von James Krüss auf dieser Seite einstellen, da das Copyright noch nicht erloschen ist.

Ein weiteres wichtiges Buch ist für mich „Der ewige Brunnen“, eine Gedichtesammlung von Ludwig Reiners. Es war das Gedichtebuch schlechthin für mich. In ihm habe ich alle bekannten Gedichte gefunden, wieder und wieder gelesen und hin und wieder auswendig gelernt. Das erste Exemplar ist mittlerweile schon ziemlich mitgenommen. Aber es steht immer noch im Regal, Seite an Seite mit neueren Ausgaben, darunter auch die neueste vollkommen überarbeitete und erweiterte  Jubiläumsausgabe von 2007.

Noch zwei Gedichtbände sind zu erwähnen. Beide Male sind es Sammlungen von Kindergedichten. „Zauberwort“ enthält die schönsten Gedichte für Kinder aus vier Jahrhunderten und ist wunderschön illustriert, erschienen 2004. Es enthält sowohl Gedichte , die speziell für Kinder geschrieben wurden, von Autoren wie Josef Guggenmos, Frantz Wittkamp und anderen, wie auch klassische, bekannte Gedichte von Eichendorff, Mörike oder Brecht.

Meine neueste Erwerbung habe ich noch nicht „fertig“ gelesen. Es ist das Buch „Wo kommen die Worte her?“, Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene herausgegeben von Hans-Joachim Gelberg. Es wurden über 100 Autoren zur Mitarbeit aufgerufen. Entstanden ist ein Buch mit bekannten und neuen Gedichten, das man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Ich hoffe, ich habe Ihnen ein wenig Geschmack gemacht.

Sollten Sie in Erwägung ziehen, das eine oder andere Buch zu erwerben, würde ich mich freuen, wenn Sie den neben stehenden Link zu Amazon benutzen würden. Es käme dem Unterhalt dieser Seite zugute.

Vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Seite.

Fred Endrikat

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.

Diesen Spruch haben wir als Kinder häufig gesagt, um Spielkameraden zu ärgern. Umso überraschender  war es für mich, zu erfahren, dass dies kein Spruch ist, der im Volksmund entstand, sondern dass er aus einem Gedicht stammt. Geschrieben hat dieses Gedicht Fred Endrikat, der schon als Volksschüler heitere und ernste Verse schrieb. Er war erst zwölf Jahre alt, als er bei einem Dichterwettbewerb des Dortmunder Generalanzeigers gewann.

Geboren wurde Fred Endrikat am 7. Juni 1890 als ältestes von sieben Kindern in Nakel an der Netze, während einer Reise seiner Mutter. Aufgewachsen ist er unter den Fördertürmen von Wanne-Eickel. Auf Wunsch des Vaters begann er eine Handwerkslehre als Schlosser, die er aber nach zwei Jahren abbrach. Auch die Zeit als Lehrhauer auf einer Zeche dauerte nur kurz. Endrikat schrieb lieber Gedichte, Texte und Sketche, die er bisweilen auch selbst vortrug. Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb er auch Texte für andere Künstler, trat als Kabarettist auf und hielt Lesungen ab. Am 12. August 1942 starb Fred Endrikat, der nur 52 Jahre alt wurde, in Leoni am Starnberger See. Sein Grab befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof.

Und hier nun der Vierzeiler, aus dem das oben erwähnte Zitat stammt.

Die schlimmste Krankheit ist kurierbar,
einnehmbar, injizierbar oder schmierbar.
Das größte Leiden ist zu stillen, nur:
Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.


Ostern

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Nicht der Osterspaziergang von Goethe ist heute das Gedicht zu Ostern, denn es ist noch nicht überall so, dass Strom und Bäche vom Eise befreit sind und im Tal Hoffnungsglück grünt. Es dauert wohl noch einige Zeit bis der Winter sich endgültig zurückzieht

Besser passt da heute ein Gedicht von Georg von der Vring, das eine kalte Märznacht in der Vorosterzeit beschreibt.

Vor Ostern

Der volle Mond rollt übern Berg,
ich hab es wohl gesehen,
auch sah ich einen Baum als Zwerg
weit in der Ebene stehen.

Die Nacht im März ist klar und kalt.
Viel Gräser müssen frieren.
Ach möchten doch die Veilchen bald
das junge Gras verzieren.

Dass ich vor Tag und wo ich steh
am Zaun viel blaue Nester seh
und Laub, sie zu umhüllen,
und Küsse, die sie füllen.

Georg von der Vring fängt mit seiner Naturlyrik sehr empfindsam die Stimmung jener Nacht ein.  Die Kälte ist fast körperlich spüren. Und man hofft mit ihm, dass bald die Veilchen aus dem Gras sprießen und den Frühling verkünden.

Allen Freunden der Gedichtsuche ein frohes Osterfest und viele bunte Eier! :)

Weitere Ostergedichte sind hier zu finden:
Ostergedichte für Kinder und Lesepfad Ostern

 

Es muss doch Frühling werden

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Dieses Jahr will uns der Winter partout nicht aus sein Fängen lassen. So trübe wie heuer war der Winter schon 40 Jahre nicht mehr. Und am 24.März ist es schneidend kalt!

Doch die Sonne zeigt sich, blauer Himmel ist zu sehen und auch wenn der Ostwind pfeift, Hoffnung auf den Frühling besteht immer:

Da wusste auch Emanuel Geibel schon vor 180 Jahren. Deswegen sein Gedicht Hoffnung heute als Gedicht der Woche.

Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muss doch Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen.

Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möchte vor Lust vergehen.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und lässt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren.

Drum still! Und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden;
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll' auf Erden,
Nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muss doch Frühling werden.

Geben wir die Hoffnung auf den Frühling nicht auf. Zur Unterstützung hier einige Frühlingsgedichte:

Ich wünsche Ihnen eine schöne letzte Märzwoche und den FRÜHLING!

Schläft ein Lied ...

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort, 
Und die Welt hebt an zu singen, 
Triffst du nur das Zauberwort.

Nicht ohne Grund steht dieses Gedicht auf der Startseite von Gedichtsuche. Es ist mir neben Mondnacht eines der liebsten und begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Sein Verfasser gilt als der Romantiker schlechthin – Joseph von Eichendorff. Obwohl er eher die Spätphase der Romantik geprägt hat, gilt Eichendorff als der Inbegriff des romantischen Dichters.

In seinen Gedichten herrschen die literarischen Motive der Romantik vor: Aufbruch, Reisen, Sehnsucht, Mondlicht, Hörnerklang und Waldesrauschen. Sie sprechen auch heute noch die Menschen an.

Viele seiner Gedichte wurden vertont und gehören zu den bekanntesten deutschen Volksliedern z.B. „In einem kühlen Grunde“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ oder „Oh Täler weit, oh Höhen Eichendorff zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.

Doch Eichendorff verfasste auch Romane und Erzählungen. Seine Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts“ wurde 1826 veröffentlicht und gilt als Höhepunkt der Spätromantik.

Heute, am 10.März 1788 geboren, jährt sich Eichendorffs Geburtstag zum 225. Mal. Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde als zweites Kind des preußischen Offiziers Freiherr Adolf Theodor Rudolf von Eichendorff und dessen Frau Karoline auf Schloss Lubowitz bei Ratibor geboren.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft trat  Eichendorff 1813 ins preußische Heer ein und nahm am Befreiungskrieg gegen Napoleon teil. Danach wurde er preußischer Beamter in Breslau, später in Danzig, in Königsberg und zuletzt in Berlin. 1815 heiratete er Luise von Larisch, die ihm vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter schenkte. Am 26.November 1857 starb Eichendorff 69-jährig in Neiße in Oberschlesien.

Der Werwolf

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vor einigen Tagen schickte mir eine liebe Bekannte, die mit mir die Liebe zu Gedichten teilt, eine gelesene Fassung des Gedichts „Der Werwolf“ von Christian Morgenstern.

Wie oft habe ich es schon gelesen und jedes Mal neu mich wieder an Morgensterns Spiel mit der Sprache erfreut! Auch diesmal erging es mir nicht anders. Immer wieder kann ich es hören oder lesen und genießen!

Für alle, die es nicht mehr im Kopf haben: Hier ist es:

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind, und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!  

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:  

"Der Werwolf", - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs" Genitiv sodann,
"dem Wemwolf" Dativ, wie man's nennt,
"den Wenwolf" - damit hat's ein End.'  

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!  

Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.  

Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Wer noch mehr von Morgensterns Sprachspielgedichten lesen möchte, wird hier fündig:

Der Lattenzaun

Das ästhetische Wiesel

Viel Spaß beim Lesen oder Wiederentdecken!

Und seh die Lande um den Main

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Das ist eine Zeile aus dem Frankenlied, das Viktor von Scheffel schrieb. Er stammt allerdings nicht aus Franken sondern wurde am 16.Februar 1826 in Karlsruhe geboren, wuchs dort auf und starb auch dort, nachdem er ab 1859 wieder dort lebte. 

Er hielt sich im Laufe seines Lebens jedoch immer wieder mal in der fränkischen Schweiz auf, in Banz, Gößweinstein und Staffelstein.

Victor von Scheffel war der Älteste  von drei Geschwistern und studierte auf Wunsch des Vaters von 1843 bis 1847 Rechtswissenschaften an den Universitäten in München, Heidelberg und Berlin. Zusätzlich belegte er germanische Philologie und Literatur.

1849 wurde er in Heidelberg zum Doktor der Rechte promoviert.

Da sein Familie  sich in guten finanziellen Verhältnissen stand, konnte Scheffel es sich leisten, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Er merkte bald, dass ihm Schreiben mehr lag als Landschaftsmalerei und veröffentichte 1854 sein  Erstlingswerk  Der Trompeter von Säckingen.

Er gilt als frischer, humorvoller Dichter.

Seine 1864 geschlossene  Ehe war nicht glücklich und bei Geburt des Sohnes Victor 1867 lebten die Eltern schon getrennt. Der Sohn wuchs ab 1869 beim Vater auf,  der ihn von einem Spielplatz nahe der Wohnung der Mutter in München entführt hatte.

Aus Anlass seines 50. Geburtstages wurde Scheffel durch den Großherzog von Baden in den Adelstand erhoben.

Die letzten Jahre seines Lebens lebte Scheffel erkrankt an einer fortschreitenden Gehirnerkrankung in der Nähe von Radolfzell. Er starb am 9. April 1886 in Karlsruhe und wurde auf dem dortigen Hauptfriedhof beigesetzt.

Eine Entdeckung

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vor ein paar Tagen hielt ich durch Zufall den Gedichtband einer jungen Lyrikerin in der Hand und war hingerissen von ihren Gedichten. Ihr Name:  Selma Meerbaum-Eisinger, eine junge Jüdin, die 1942 mit 18 Jahren im Arbeitslager Michailowka in der Ukraine an Flecktyphus starb.

Wie Rose Ausländer und Paul Celan, mit dem sie über den Urgroßvater verwandt ist,  stammte sie aus Czernowitz Bukowina), wo sie am 15. August 1924 geboren wurde.

Mit 15 Jahren begann sie Gedichte zu schreiben, insgesamt wurden es 57.  Die meisten davon waren ihrer  großen Liebe, dem ein Jahr älteren Lejser Fichman gewidmet.

Das letzte Gedicht in dem Album schrieb sie am 23.12.1941

Tragik

Das ist das Schwerste: sich zu verschenken
und wissen, daß man überflüssig ist,
sich ganz zu geben und zu denken,
daß man wie Rauch ins Nichts verfließt.

Darunter stand mit rotem Stift.

„Ich habe keine Zeit gehabt, zu Ende zu schreiben".

Selma Meerbaum-Eisinger starb am 16. Dezember 1942.

Ihr handschriftlich verfasstes, mit Bleistift geschriebenes Album gelangte über eine Freundin während des Krieges nach Israel.

Erst 1980 aber erschien ihr  Gedichtband unter dem Titel „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“, herausgegeben durch den Journalisten und Exil-Forscher Jürgen Serke. Er war von Hilde Domin auf die Gedichte aufmerksam gemacht worden war.

Ludwig Thoma

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Er gilt als der bayerische Schriftsteller schlechthin – Ludwig Thoma, der heute vor 146 Jahren in Oberammergau als fünftes Kind eines Oberförsters geboren wurde.

Im Alter von sieben Jahren verliert er seinen Vater, und die Mutter muss die sieben Kinder alleine großziehen.

Ludwigs Schullaufbahn ist wechselhaft, er gilt als renitenter Schüler, der sich gegen Autoritäten wehrt. Diese Jugendzeit verarbeitet er später in den Lausbubengeschichten, die 1905 erscheinen. Nach dem Abitur beginnt er an der Forstakademie in Aschaffenburg das Forststudium, bricht es aber bald ab und studiert in München und Erlangen Jura.

Ab 1899 ist  er fester Mitarbeiter des Simplicissimus. 1903/04 erscheinen in dieser Zeitschrift allein 53 Beiträge Thomas, die sich durch beißenden Spott und Satire auszeichnen. Sein Leben lang kritisiert er die Moralvorstellungen und die Autorität von Kirche  und Staat.

1902 beginnt seine Freundschaft mit Ludwig Ganghofer, die ein Leben lang bestehen sollte.

Mit Hermann Hesse  gründet Ludwig Thoma 1907 gemeinsam die Zeitschrift März.

Der erste der insgesamt 39 Filserbriefe erscheint 1908 im Simplicissimus .

1911 kommt es zur Trennung von seiner Frau, einer philippinisch-schweizerischen Tänzerin. Im gleichen Jahr bringt Ludwig Thoma die Geschichte vom Münchner im Himmel heraus. In den nächsten Jahren entstehen viele Erzählungen, u.a.  Heilige Nacht.

Am 26. August 1921 stirbt Ludwig Thoma in Tegernsee mit 54 Jahren an Magenkrebs. Sein Grab befindet sich dort auf dem Friedhof von St. Laurentius neben dem seines Freundes Ludwig Ganghofer.

Dass Ludwig Thoma auch Gedichte schrieb, ist etwas in Vergessenheit geraten. Das mag u.a. auch daran liegen, dass er viele Gedichte, die er im Simplicissimus veröffentlichte unter dem Pseudonym Peter Schlemihl schrieb.

Hier ein Gedicht von ihm, was würde er heute sagen?

Neue Zeit

War es früher endlich Feierabend,
Ging man, gründlich von der Arbeit satt
Und behaglich seine Ruhe habend,
Auf dem Bürgersteige durch die Stadt.

Vom Geschäftlichen sich abzulenken,
Nahm man sich was Allgemeines vor,
Oder auch begann man nachzudenken
Über nichts, und sah dabei empor.

Frei im Äther ließ der Blick sich schweifen,
Nirgends stieß er auf ein Hindernis,
Wenn nicht etwa im Vorüberstreifen
Eine Schwalbe hoch herunterschiß.

Aber jetzt, wo eben der Propeller
Durch die Abendwolke wütend saust,
Geht man ängstlich und aus Vorsicht schneller,
Weil es einen unwillkürlich graust.

Aus der Welt entfloh uns das Behagen,
Das Idyll ist im Benzin ertränkt;
Oben Flieger, unten Autowagen!
Wer die Ruhe liebt, ist tief gekränkt.

Wilhelm Busch

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

„Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen.“

Dieser Spruch stammt wie so viele, die in unseren Sprachgebrauch eingegangen sind, von Wilhelm Busch. Sein Todestag jährt sich heute zum 105.Mal.

Geboren wurde Wilhelm Busch bzw. Heinrich Christian Wilhelm Busch wie er mit vollem Namen hieß am 15.April 1832 in Wiedensahl als erstes von sieben Kindern.

Von 1841 bis 1847 lebte er bei seinem Onkel,der ihn auch privat unterrichtete,  zunächst in Ebergötzen bei Göttingen, dann in Lüthorst am Solling,

1847 – mit 15 Jahren! -  begann Wilhelm Busch auf Wunsch des Vaters mit dem Maschinenbau-Studium in Hannover, brach es aber vier Jahre später  ab. Er studierte nun an den Kunstakademien in Düsseldorf, Antwerpen und in München.

Dort erkannte der Maler und Verleger der humoristischen Münchener Zeitschrift "Fliegende Blätter", Caspar Braun, 1859 Buschs Talent als satirischer Zeichner. Wilhelm Busch veröffentlichte darin in den folgenden Jahren rund 100 Beiträge.

1865 wird die Bildergeschichte "Max und Moritz veröffentlicht, mit der Buschs Durchbruch gelingt. Die Rechte verkaufte Busch allerdings an seinen Verleger für 1700 Goldmark.

Busch verstand es meisterhaft, Charaktere und Situationen zu karikieren. Es gelang ihm überaus treffend, mit knappen Texten seine kritische Haltung gegenüber der verlogenen Moral auszudrücken.

1893 veröffentlicht er seine Autobiographie "Von mir über mich"

Ab dem Jahre 1898 wohnt Wilhelm Busch in Mechtshausen am Harz, wo er am 9.Januar 1908 mit 75 Jahren stirbt.

Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, was seinen Lebenslauf angeht:

 

Lebenslauf

Mein Lebenslauf ist bald erzählt. -
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis dass ich sichtbar ward geboren.

Was aber nun? - Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,

Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich musst' ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.

 O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.