Gedicht der Woche

Was ist Liebe?

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Liebesgedichte gibt es unzählige: schöne und kitschige, innige und eher sachliche. Über die Liebe erzählen kann fast jeder, oder meint es zumindest. Aber was ist Liebe? Kann man es erklären?

Hierzu ein Gedicht von Friedrich Halm.

Mein Herz, ich will dich fragen

Mein Herz, ich will dich fragen,
Was ist denn Liebe, sag'? -
„Zwei Seelen und ein Gedanke,
Zwei Herzen und ein Schlag!"

Und sprich, woher kommt Liebe? -
„Sie kommt und sie ist da!"
Und sprich, wie schwindet Liebe? -
„Die war's nicht, der's geschah!"

Und was ist reine Liebe? -
„Die ihrer selbst vergisst!"
Und wann ist Lieb' am tiefsten? -
„Wenn sie am stillsten ist!"

Und wann ist Lieb' am reichsten? -
„Das ist sie, wenn sie gibt!"
Und sprich, wie redet Liebe? -
„Sie redet nicht, sie liebt!"


Sommer!

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Der Sommer ist da, rechtzeitig zum Pfingstwochenende! Da möchte man doch tatsächllich, wie in dem so passenden folgenden Gedicht von Joachim Ringelnatz die Wölkchen vom Himmer zupfen und  es sich in der Frühlingswiese bequem machen.


Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.

Ich wünsche allen Gedichtsuchefreunden und -innen ein genussvolles Wochenende!

Wiedererfreuen

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Sonntag – Sonnentag! Also rauf aufs Fahrrad und in die Pedale getreten, und dann kommen wir an die ersten Felder. Das Getreide steht schon hoch und mitten drin roter Klatschmohn, weiße Margeriten und leuchtendblaue Feldblumen. Und ich bin wieder begeistert- jedes Jahr aufs Neue, wenn ich diese Blumen so zusammen sehe. Ich liebe diesen Anblick! Da geht mir das Herz auf!

Und obwohl es doch jedes Jahr immer wieder geschieht, und obwohl ich das einen Sommer lang immer wieder sehe- ich kann mich jedes Mal neu daran erfreuen. Und genau dieses „Wiedererfreuen“ an bekannten Dingen spricht Cäsar Flaischlen in seinem Gedicht Sonnenkraft an.  Ich wünsche Ihnen immer wieder neues Freuen an bekannten Dingen!

Sonnenkraft

Und immer wieder sinkt der Winter
und immer wieder wird es Frühling
und immer immer wieder stehst du
und freust dich an dem ersten Grün
und wenn die kleinen Veilchen blühn,
und immer wieder ist es schön
und macht es jung und macht es froh,
und ob du's tausendmal gesehn:
wenn hoch in lauen blauen Lüften
die ersten Schwalben lustig zwitschern ...
immer wieder ... jedes Jahr ...
sag, ist das nicht wunderbar?!

Diese stille Kraft der Seele:
immer neu sich aufzuringen
aus dem Banne trüber Winter,
aus dem Schatten grauer Nächte,
aus der Tiefe in die Höhe ...
sag, ist das nicht wunderbar?!
diese stille Kraft der Seele,
immer wieder
sich zur Sonne zu befrein,
immer wieder stolz zu werden,
immer wieder froh zu sein.

Luftveränderung

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Als Gedicht der Woche heute ein Werk von Kurt Tucholsky, geschrieben 1924.

Luftveränderung

Fahre mit der Eisenbahn,
fahre, Junge, fahre,
Auf dem Deck vom Wasserkahn
wehen deine Haare.

Tauch in fremde Städte ein,
lauf in fremden Gassen;
höre fremde Menschen schrein,
trink aus fremden Tassen.

Flieh Betrieb und Telefon,
grab in alten Schmökern,
sieh am Seinekai, mein Sohn,
Weisheit still verhökern.

Lauf in Afrika umher,
reite durch Oasen;
lausche auf ein blaues Meer,
hör den Mistral blasen!

Wie du auch die Welt durchflitzt
ohne Rast und Ruh-:
Hinten auf dem Puffer sitzt
du.

 

 

Kindergedichte

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Kindergedichte sind nicht nur etwas für Kinder. Kindergedichte sind durchaus auch Gedichte für Erwachsene , um mal wieder aus der Sichtweise eines Kindes die Welt zu sehen. Man nimmt dann alltägliche Dinge ganz anders wahr. Leider kann ich nicht viele dieser wunderschönen Kindergedichte auf meine Seite aufnehmen, weil sie noch dem Copyright unterliegen. Manchmal habe ich aber die Erlaubnis der Autoren bekommen, diese Gedichte online zu stellen. Eines dieser Gedichte ist folgendes.

Wann Freunde wichtig sind

Freunde sind wichtig
zum Sandburgenbauen,
Freunde sind wichtig
wenn andre dich hauen,
Freunde sind wichtig
zum Schneckenhaussuchen,
Freunde sind wichtig
zum Essen von Kuchen.

Vormittags, abends,
im Freien, im Zimmer ...
Wann Freunde wichtig sind?
Eigentlich immer!

aus: Georg Bydlinski, Wasserhahn und Wasserhenne
© 2002 Dachs Verlag GmbH, Wien

Ich denke, (nicht nur) der letzten Zeile können auch wir Erwachsene ohne Bedenken zustimmen!


Maikatzen

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Bei der Suche nach möglichen Gedichten zum Mai, deren es ja in Hülle und Fülle gibt, stieß ich mal wieder auf das folgende Gedicht von Theodor Storm. Es hat zwar nur am Rand mit dem Frühlingsmonat zu tun, aber es sind halt Maikätzchen. Und da ich eine Katzennärrin bin, habe ich dieses Gedicht zum Gedicht der Woche gewählt.

Ja, die Menschlichkeit und Gutmütigkeit des Erzählers muss man schon anerkennen, schließlich wurden ja fünf  weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen vom Tod durch Ertränken gerettet. Wie könnte man auch!

Aber nun ist ein Jahr vorbei und aus den süßen Kätzchen wurde – wie sollte es anders sein-  eine große Katzenschar: Nicht 10 , nicht 20, nein, lesen  Sie nur nach! Es ist köstlich!

Ich wünsche Ihnen eine schöne Maiwoche!

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber - Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -
Die wollte von den Sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! - der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit!
Die lieben Kätzchen
Sie wuchsen auf und schritten binnen Kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und Nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
Ich aber pries mich selbst und meine Menschlichkeit.
Ein Jahr ist um und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitags ist's! - Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die alte gar - nein, es ist unaussprechlich.,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, jede von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch ! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon -
Oh, Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen!

Die Beiden

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Eines der Gedichte, die ich immer wieder gern lese, ist dieses von Hugo von Hofmannsthal.

Wie wunderbar hat er ausgedrückt, was die Liebe mit einem anstellt, die Liebe, die gerade am Entstehen ist. Eine Situation, die ähnlich  sicher die meisten Menschen bei sich selbst erlebt haben.

Viel Genuss beim Lesen!

Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand -
Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand-,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.

Ostern

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Dieses Jahr ist Ostern sehr spät und der Frühling ist schon mit aller Macht gekommen. Wenn wir Glück haben, können die Kinder am Ostersonntagmorgen vielleicht wirklich im Freien nach den bunten Eiern suchen. Wo der Osterhase sie nur überall versteckt hat?

Friedrich Güll hat vor ca. 150 Jahren auch schon Ostereier gefunden.

 

Häslein

Lasst uns schauen, was liegt im Nest
so rund und glatt und fest:
Eier, blau und grün und scheckig,
Eier, rot und gelb und fleckig!
Häslein in dem grünen Wald,
ich hab dich lieb und dank dir halt,
Häslein mit dem langen Ohr,
dank dir tausendmal davor!

Häslein mit dem schnellen Bein,
sollst recht schön bedanket sein!
Nächste Ostern bringt die Mutter
wieder dir ein gutes Futter,
dass du möchtest unseretwegen
wieder so viel Eier legen.

Allen Freunden der Gedichtsuche wünsche ich ein frohes Osterfestund viele bunte Ostereier.

Frühlingsglaube

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Warm ist es jetzt schon, jetzt Anfang April, 23 Grad- fast ein Sommertag! Eigentlich kann man es gar nicht glauben, dass der Winter- der ja dieses Jahr eigentlich keiner war – uns endgültig den Rücken zugekehrt hat. Und doch ist es so: Allerorten blühen die Blumen, die Bäume. Es ist tatsächlich schon Frühling.

Auch Ludwig Uhland hat an den Frühling geglaubt, geglaubt, dass er jedes Jahr aufs Neue kommt, und das in Lyrik umgesetzt. Sein bekanntes Gedicht „Frühlingsglaube“ steht heute als Gedicht der Woche.

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.


Christian Morgenstern

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Hundert Jahre ist es am 31.März her, dass Christian Morgenstern an Tuberkulose starb. Er hatte sich  als Kind bei seiner Mutter angesteckt, die ebenfalls dieser Krankheit erlegen war.

Geboren wurde er am 6. Mai 1871 in München. Während seine Eltern Landschaftsmaler waren, widmet sich Morgenstern bald schon dem Schreiben. Schon während seiner Schulzeit verfasste er kleinere Satiren und Gedichte. Schließlich wird das Schreiben zu seinem Beruf. Immer wieder muss er seine Arbeit wegen gesundheitlicher Probleme unterbrechen und Sanatorien aufsuchen. 1905 erscheinen die „Galgenlieder“.  1910 heiratet er Margareta Gosebruch von Liechtenstern. Durch sie kommt er mit den anthroposophischen Werken Rudolf Steiners  in Berührung.

Christian Morgenstern stirbt am 31. März 1914 in Meran. Seine Urne steht im Goetheanum in Dornach.

Mein persönliches Lieblingsgedicht von Morgenstern ist das Möwenlied:

Das Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Sofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.