Gedicht der Woche

5.April 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Was der Frühling alles tun muss

Erst die Sonne höher heben,
dann die Gräser grün anstreichen,
allen, die auf Erden leben,
brüderlich die Hände reichen,
 
Schlangen häuten, Schatten schwärzen,
Felder kämmen, auch die Wiesen,
sorgen, dass Kastanienkerzen
brennen, Weidenruten schießen,
 
für die Vögel Noten schreiben
und die Rosenblätter zählen,
mit den Kindern Unfug treiben,
Wäldern neue Farben wählen,
 
Käfern ihre Panzer putzen,
Zäunen guten Morgen sagen,
Tau als Schmuck für Gras benutzen,
Licht in Mauselöcher tragen,
 
weil die Bienen gern was hätten,
Honig in die Blüten stecken,
alle Katzenfelle glätten - 
und die Kinder morgens wecken!
 
Ja der Frühling hat zu tun,
und was machen wir denn nun?
 
Frantisek Halas
 
 

 

 

29.März 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Vorfrühling

Die blätterlosen Pappeln stehn so fein,
so schlank, so herb am abendfahlen Zelt.
Die Amseln jubeln wild und bergquellrein,
und wunderlich in Ahnung ruht die Welt. 

Gespenstische Gewölke, schwer und feucht,
zerschatten den noch ungesternten Raum
und Übergraun, im sinkenden Geleucht.
Gebirg und Grund, ein krauser, trunkner Traum.

Christian Morgenstern

22.März 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Wie mit den Lebenszeiten

Wie mit den Lebenszeiten, 
so ist es auch mit den Tagen. 
Keiner ist uns genug, 
keiner ist ganz schön, und jeder hat, 
wo nicht seine Plage, 
doch seine Unvollkommenheit, 
aber rechne sie zusammen, 
so kommt eine Summe 
Freude und Leben heraus.

Friedrich Hölderlin

15.März 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Verklärtes Häusermeer

Mitten auf dem Platz,
wo die Kinder lärmen,
bleib ich stehn.

Jungens,
die sich um eine Murmel zanken,
 ein kleines Mädchen, das Reifen spielt ...

Herr Gott, Frühling!

Und nichts, nichts hab ich gesehn!

Aus allen Büschen
brechen ja schon die Knospen!

Arno Holz

8.März 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Schlechtes Wetter

Liese, es regnet Seile;
Ich sterbe vor Langeweile.
Ich glaube, die Blasen schwimmen dort –
Jetzt regnet´s vier Wochen immer so fort.
Ich sollte der liebe Gott mal sein.
Da gäb es Regen bloß bei Nacht,
und immer wär es Sonnenschein,
wann ich im Bett wär aufgewacht.

Victor Blüthgen

1.März 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Früher Frühling

Zwischen Februar und März 
liegt die große Zeitenwende, 
und, man spürt es allerwärts, 
mit dem Winter geht's zu Ende. 
Schon beim ersten Sonnenschimmer 
steigt der Lenz in's Wartezimmer. 
Keiner weiß, wie es geschah 
und auf einmal ist er da.

Manche Knospe wird verschneit 
zwar im frühen Lenz auf Erden. 
Alles dauert seine Zeit, 
nur Geduld, es wird schon werden. 
Folgt auch noch ein rauher Schauer, 
lacht der Himmel um so blauer. 
Leichter schlägt des Menschen Herz 
zwischen Februar und März.

Fred Endrikat

23.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

Das große Lalula
 
Kroklokwafzi? Semememi!
Seiokrontro - prafriplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi:
quasti basti bo...
Lalu lalu lalu lalu la!
 
Hontraruru miromente
zasku zes rü rü?
Entepente, leiolente
klekwapufzi lü?
Lalu lalu lalu lala la!
 
Simarat kos malzlpempu
silzuzankunkrei (;)!
Marjomar dos: Quempu Lempu
Siri Suri Sei []!
Lalu lalu lalu lalu la!
 
Christian Morgenstern

16.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Katzen

Sie liegen irgendwo in den gewohnten Ecken 
undscheinen zu sinnen.
Die Augen schimmern grün.
Man darf sie necken, 
sie lassen sich gewinnen.
Und alsdann 
legen sie sich auf den Bauch und runden
den Leib, versuchen mit Schnauze und Pfoten 
deine Hände zu greifen, 
und ihre Augen glühn,
die grünblaugraugelbroten ...
Irgendwann 
erheben sie sich und beginnen 
eine kleine Vergnügungsreise durchs Haus.
Schließlich sehen sie zu einem offenen Fenster hinaus, 
sie strecken 
die Schnauze in die Luft und lassen die Augen schweifen,
prüfen: kann diese Witterung 
einem Katzentier munden?
Und schon sind sie mit wahrhaft musikalischem Sprung 
in der blauen Luft verschwunden.


Am Abend sind sie plötzlich wieder da.
Man findet sie wie seidige, o so 
geschmeidige Damen, die man vor Stunden 
glänzend und stark aus der Tür treten sah,
mit ausgestreckten Beinen 
weich zerknittert irgendwo,
wo sie in Erinnerung versunken scheinen.

René Schickele


9.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

Der Vollmond, der alte Schatzgräber

Der Vollmond, der alte Schatzgräber, 
Kommt über das hohle Feld, 
Er kommt zum verlorenen Haus, 
Wo er tastend Umschau hält.

Hebt Bilder aus trüben Rahmen, 
Stiehlt sich entlang der Wand, 
Lehnt an den weißen Betten 
Und liest in der schlafenden Hand.

Die feierlich atmenden Lippen 
Sprechen fromm ihr Geheimstes aus, 
Unirdisch brennen die Stuben, 
Und von Schätzen leuchtet das Haus.

Max Dauthendey


2.Februar 2020

von Monika Spatz (Kommentare: 0)

 

An die Entfernte

Diese Rose pflück ich hier,
In der fremden Ferne;
Liebes Mädchen, dir, ach dir
Brächt ich sie so gerne!

Doch bis ich zu dir mag ziehn,
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
Denn die Rosen eilen.

Nie soll weiter sich ins Land
Lieb von Liebe wagen,
als sich blühend in der Hand
lässt die Rose tragen;

Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste
Oder als ihr süßer Schall
wandert mit dem Weste.

Nikolaus Lenau